der erforderte.01 An der baldigen Sanktion durch den Fürsten zweifelte man kaum: Dann aber besass Liechtenstein eine vom Volk geschaffene und allseitig bejahte Landesverfassung — wahrhaftig ein Gegensatz zu den früheren Gepflogenheiten im Fürstentum. Der liechtensteinische Verfassungsentwurf setzte die Revolution konsequent fort. Er ging im Grundsätzlichen über den Konstitutionalis- mus noch hinaus. Das konstitutionelle System beruhte seit der franzö- sische Charte constitutionnelle von 1814 und den süd- und mitteldeut- schen frühkonstitutionellen Verfassungen während der ganzen konsti- tutionellen Epoche, die für Deutschland und Österreich mit dem Ersten Weltkrieg zu Ende ging, auf dem «monarchischen Prinzip»: Die ganze Fülle der Staatsgewalt stand ungeteilt dem Monarchen zu, der alleiniger .Träger der Souveränität war und nur in einzelnen Funktionen an die Mitwirkung der Kammern gebunden war; der Monarch blieb gegen- über der Volksvertretung die übergeordnete Kraft.02 Der Entwurf des Verfassungsrates03 aber verneinte das monarchische Prinzip: «Die höchste Gewalt in Bezug auf Gesetzgebung, Verwaltung und Rechts- pflege beruht nach den später folgenden nähern Bestimmungen beim Fürsten und Volke vereint» (§ 34). Die Konsequenzen sind weitrei- chend: Die staatliche Gewalt geht nicht mehr vom Fürsten allein aus, er ist nicht mehr Träger der Souveränität, die nicht teilbar ist; Fürst und Volk stehen im Staat gleichwertig nebeneinander als Staatsorgane, die nur über Teile der Staatsgewalt verfügen, während Träger der Sou- veränität der Staat selber ist. Dies entsprach der organischen Staats- 61 Jellinek, S. 514. Die vom liechtensteinischen Verfassungsrat angewandte Art der Verfassungsvereinbarung erinnert an die in den amerikanischen Unionsstaaten Ende des 18. und im 19. Jh. geübte Praxis, wo die von Kon- venten ausgearbeiteten Verfassungen in town meetings den versammelten Bürgern vorgelegt wurden; vgl. Jellinek, S. 517. 62 Vgl. Huber I, S. 652 ff. und III. S. 12 f. Siehe auch unten S. 286 f. 63 Aufbau: I: Allgemeine Bestimmungen (§§ 1 — 32); II: Der Fürst und seine Rechte (§§ 33 - 46); III: Das Volk und seine Rechte (§§ 47 - 63); IV: Die Staatsverwaltung in ihren verschiedenen Zweigen durch den Landrath, Regierung und Gerichtsbehörden: a) der Landrath als oberste gesetzgebende Behörde im Lande (§§ 64 — 93), b) Die Regierung als leitende Behörde des Landes (§§ 94 — 105), c) Die Rechtspflege (§§ 106-113). 108
        

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