Wien, dass man endgültig Herr der Lage sei und die Untertanen für längere Zeit beruhigt habe. Doch zeigte sich schon zu Beginn des Jahres 1832, dass die eingekehrte Ruhe noch trügerisch war. Noch ein- mal hatten sich das Oberamt und die Hofkanzlei mit aufrührerischen Bürgern abzugeben. Der Anlass zu neuen Unruhen gab diesmal die Richterwahl in Schaan. Gemäss der Dienstinstruktion von 1808 schlug die Gemeinde jährlich drei Männer vor, aus denen das Oberamt den tüchtigsten aus- wählte.209 Am 9. Januar 1832 wurde beim Oberamt in Vaduz ein Proto- koll aufgenommen,210 in dem sich die Unzufriedenheit der Bürger mit der bestehenden Art der Richterwahl zeigte. Der bisherige Ortsrichter, Josef Frick, hatte um seine Entlassung gebeten, welche ihm vom Ober- amt gewährt wurde. Gleichzeitig wurde an die Gemeinde die Aufforde- rung gerichtet, «dem Amte drey Individuen vorzuschlagen, damit hier- aus der Richter ernannt werden kann».211 Die Bürgergemeinde aber erklärte, dass sie nicht drei, sondern nur einen Richter brauche. Da dies den bestehenden Gesetzen widersprach, erging ein zweiter Auftrag an die Gemeinde, nochmals eine Gemeindeversammlung abzuhalten, die aber auch zu keinem Entschluss kam.212 Die Bürger weigerten sich, einem anderen als dem von ihnen vorgeschlagenen die Stimme zu ge- ben, da er «für den Augenblick für die Gemeinde besser sei als ein anderer».213 Wenn das Oberamt diesen Vorschlag nicht annehme, so brauche man ja keine Gemeindeversammlung einzuberufen, sondern das Amt könne selbst einen Richter auswählen, wenn auf die Meinung der Mehrheit keine Rücksicht genommen werde. Am nächsten Tag machte das Oberamt in einem Schreiben an den Fürsten Miteilung von den bei den Richterwahlen in Schaan entstan- denen «Unruhen und Widerspenstigkeiten» und bat um Weisung, wie er sich dazu verhalten solle.214 Das Oberamt fürchtete, wenn man 209 cf. Malin, 56. 210 LRA NR 28/10, 9pol., 9. Jan. 1832; Protokoll, unterzeichnet von Johannes Quaderer, Säckelmeister, Andreas Falk und Johannes Risch. 211 1. c. 212 1. c. 213 1. c. Die Gemeindeversammlung hatte Ferdinand Walser vorgeschlagen. 214 LRA NR 28/10, lOpol., 10. Jan. 1832; OA an Fürst. 91
        

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