des Volkes ist ganz dahin und ebenso alles Zutrauen».162 Als den wich- tigsten Grund, warum alles Zutrauen geschwunden sei, gaben die De- putierten an, der ausserordentlich langsame Geschäftsgang der Justiz- pflege «mache den Kredit des armen Landmannes dergestalt schwin- dend, dass Ausländer nicht nur kein Geld mehr uns anlehnungsweise geben, sondern alles noch wegzuziehen sich bestreben. Es ist eine in der ganzen Umgebung bekannte Tatsache, dass, so gut unser Kreditwesen unter dem vorigen Herrn Landvogt stand, dasselbe nun izt ganz dar- niederliegt».163 Die Bittsteller glaubten auch nicht, dass eine Besserung eintreten werde, solange Pokorny Landvogt sei. Da jedes Vertrauen in den Landvogt verloren gegangen sei, so glaube jedermann «bei jeder Einrichtung es geschehe eigenmächtig».164 Aus diesem Grunde wäre es das beste, so meinten die Bittsteller, «der Landvogt möchte huld- vollst von Euer Durchlaucht übersetzt werden».165 Am Schluss des Schreibens wurde offen mit Erhebung gedroht, wenn sich die Ver- hältnisse nicht ändern würden: «Vielmehr stehen Reibungen und Ent- gegenwirkungen im Offenen und Stillen bevor, ja es dürfte zu bedeu- tenden Missgriffen und Unannehmlichkeiten führen, in dem bekannt- lich der gemeine Mann, wenn er sich das Höchste und Heiligste ange- griffen oder bedroht glaubt, keine Schranken mehr kennt».166 Diese massiven Drohungen mit Unruhen und Erhebungen rissen nun auch Fürst Johann und seine Hofkanzlei aus der Ruhe. In Wien enfaltete sich eine eifrige Tätigkeit; Schreiben an den Landvogt und an die Bevölkerung wurden verfasst, die alle unter dem Motto gingen: Mit Gewalt und Drohungen können die Untertanen nichts gewinnen, sondern nur verlieren. Dem Landvogt wurde mitgeteilt, der Fürst zähle auf seine Sachlichkeit und Geistesgegenwart.167 Pokorny aber, der sich 162 1. c. Anm. 156; Bittgesuch. 163 1. c. 164 1. c. 165 1. c; seit 1828 liegen Klagen der Untertanen gegen den Landvogt vor wegen Unterdrückung. Die Beschwerden wurden jedoch alle abgewiesen. 166 1. c. 167 HKW H 1808, ohne Datum und Nummer; Antwortschreiben des Fürsten an den Landvogt. 83
        

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