sich brachte, abzuschwächen. Da der grösste Teil der Leute sich von der Landwirtschaft ernährte und sozusagen von der Hand in den Mund lebte, traf der Militärdienst manche Familien besonders hart. Eine zu grosse Belastung durch das Militär hätte sich indirekt wieder nachteilig auf die finanziellen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Landes aus- gewirkt. Dadurch wurde Pokorny auch bewogen, in diesem Punkte den Antrag der Bittsteller zu unterstützen und darüber hinaus sogar noch vorzuschlagen, dass auch alle Hausbesitzer zu den zeitlich Befrei- ten gezählt werden sollten.90 In Wien ging man nur teilweise auf die Wünsche der Gemeinden ein: Lediglich Hauseigentümer werden den zeitlich Befreiten zugeteilt.91 Zugestimmt wurde dem Rekrutierungs- alter bei den Auslosungen, mit dem Hinweis, dass das Oberamt erst nach Rückfrage in Wien auch ältere Jahrgänge oder zeitlich Befreite ausheben dürfe, falls die jüngeren Jahrgänge zu wenig zahlreich seien.92 Im gleichen Zuge wurde darauf hingewiesen, dass der Unterhalt des Militärs für das Land neue grosse finanzielle Belastungen bringe. Da auf dem Land schon eine ungeheure Schuldenlast lag und grosse Armut herrschte, baten die Gemeinden den Fürsten, die Kosten für Be- waffnung, Uniformierung, Löhnung und Verpflegung dem Land «ohne Interessen» vorzuschiessen, damit diese später zurückbezahlt werden könnten.93 Diese Praxis war schon früher angewendet worden, so bei dem Vertrag mit Nassau von 1806,94 dann auch in den Kriegsjahren 1813 — 1815.95 Die vorgeschossenen Summen wurden mühsam in jährlichen Raten zurückbezahlt.9'' Auch diesmal sahen die Leute keinen anderen Ausweg, als wiederum eine Schuld auf sich zu laden, die sie wieder auf lange Sicht drücken würde. Pokorny aber, der sich beim Fürsten und bei der Hofkanzlei in ein gutes Licht stellen wollte, suchte und fand einen anderen Ausweg. Er schlug vor, den Preis des Salzes zu erhöhen und so durch eine indirekte Steuer das Geld für die Militär- 90 1. c. Anm. 75; Gutachten Pokornys, Punkt II. 91 1. c. Anm. 78; Sessionsbeschluss. 92 1. c. 93 1. c. Anm. 73; Protokoll, Punkt III. 94 Nassau übernahm gegen Bezahlung die Stellung der von Napoleon ge- forderten Truppen; cf. Malin, 151. 95 cf. Malin, 165 und 167. 96 cf. oben S. 36. 72
        

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