2. Die Unruhen von 1831/32 Die Karlsbader Beschlüsse von 1819 hatten für ein Jahrzehnt mit Gewalt und Schrecken Ruhe geschaffen;1 aber die Julirevolution in Frankreich brachte 1830 «die erste gesamteuropäische Erschütterung des Systems von 1815».2 Von Frankreich aus griff sie über auf die deutsche Staatenwelt, auf Italien, Belgien und Polen. Sie wirkte nach Metternich «auf Europa wie der Durchbruch eines Dammes».3 Es kam aber nicht zu einer allgemeinen, umfassenden Revolution, «zu einer Erhebung der europäischen Völker gegen die Fürsten»,4 sondern es wa- ren mehr in lokale Erhebungen zersplitterte, revolutionäre Ereignisse.5 Zu revolutionären Entladungen kam es nur da, wo die verfassungs- politischen Verhältnisse am altertümlichsten waren.6 «Meist handelte es sich um Unruhen mit begrenzten Zielen und aus persönlichen An- lässen, im Stil kleinstädtischer Lokalzwiste».7 Das politische System der Restauration konnte nicht überwunden werden. Aussenpolitisch trat in Europa an die Stelle der einheitlichen Pentarchie ein Dualismus von zwei Gruppen: Der liberalen Westmächte Frankreich und England und der konservativ - restaurativen Ostmächte Österreich, Preussen und Russland.8 Blieben Österreich und Preussen von dem Prozess, den die Juli- revolution in weiten Teilen Europas auslöste, unberührt,9 so wirkte sie um so mehr in anderen Ländern, so auch in der Schweiz, wo die von 1 cf. Schnabel II, 8. 2 Gebhardt III, 107. 3 Metternich, Denkwürdigkeiten II, 300. 4 Gebhardt III, 108. 5 1. c. 6 cf. Huber II, 31. In den nord- und mitteldeutschen Ländern, denen die Regierungen die in Art. 13 der Bundesakte versprochenen landständischen Verfassungen bisher versagt oder nur unvollkommen gewährt hatten, er- hoben sich nun die konstitutionellen Kräfte, um im Kampf gegen die Regierungen die Erfüllung der Verfassungsversprechen zu erzwingen. 7 Gebhardt III, 110. Zu Unruhen und Volkserhebungen kam es in Braun- schweig, Sachsen, Hannover und Kurhessen. 8 1. c. 107. 9 cf. Huber II, 31. Die Erhebungen in verschiedenen Städten Italiens wurden von österreichischen Truppen niedergeschlagen. 59
        

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