«die Gesandtschaftsbesoldung mit 1200.— fl. und das Honorar für das Apellationsgericht mit 300.— fl. dem Lande»0 erlassen werden mögen. Die Kosten für diese beiden Instanzen waren im Verhältnis zum übri- Postulat allerdings ziemlich hoch. Die Deputierten stützten sich bei ihrer Bitte auf alte Übungen der vorigen Besitzer und brachten vor, «das Appellationsgericht habe bisher nicht die geringste Mühe gehabt»10 und die Untertanen vertrauten auf die Gerechtigkeitsliebe des Fürsten. Schuppler war durch dieses Verlangen der Abgeordneten über- rascht und erbat Weisungen von Wien, wie er sich dazu verhalten solle. Die Antwort der Hofkanzlei Hess an Deutlichkeit nicht zu wünschen übrig. Sie schrieb am 28. April an das Oberamt:11 «Seine Durchlaucht . . . haben mit Missfallen vernommen, wie undankbar die Stände, wie nicht genug durchdacht der Landvogt als Landes- fürstl. Kommissär dabei sich benommen» habe. An Stelle der langen Erklärungen hätte der Landvogt die Stände besser aufmerksam ge- macht, dass sie sowenig wie jene in Österreich berechtigt seien, über die postulierte Summe eine detaillierte Rechnungsvorlage zu verlangen, «sondern ihnen das fürstl. Wort diesfalls genügen» müsse. Die Stände seien noch weit «weniger befugt, über die Errichtung von Gerichts- stellen, und über die Kosten derselben die Handlungen des Landes- fürsten zu tadeln». Dem Landvogt wurde ein «scharfer und ernstlicher Verweis» erteilt, dass er eine Rechnungslegung vorgenommen habe, ohne autorisiert gewesen zu sein, und dadurch das nachteilige, ver- fassungswidrige Verhalten der Stände herbeigeführt habe. Gleichzeitig wurde dem Landvogt befohlen, eine zweite, ausserordentliche Land- tagssitzung einzuberufen und die Deputanten zur «unbedingten Folge- leistung» anzuhalten. Dafür solle sich der Landvogt ebensoviele Mühe geben, «als er sich gab, um die Bitte der Landstände zu unterstützen». Für den Erfolg wurde der Landvogt persönlich verantwortlich gemacht. Schuppler, der sich bis jetzt in seiner langen Beamtenlaufbahn nichts hatte zu Schulden kommen lassen, wurde durch dieses obrig- keitliche Donnerwetter zutiefst in seiner Beamtenseele gedemütigt und beleidigt. In einem Schreiben vom 29. Mai suchte er sich zu rechtferti- 9 LRA SR L6 84pol., 18. März 1818. 10 1. c. 11 LRA SR L6, 139pol., 28. April 1819; HKW an OA. 34
        

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