Am 8. März schrieb Schuppler an alle Gemeinden: «Am 15. März haben Richter und Säckelmeister jeder Gemeinde früh um 9 Uhr in Vaduz zu erscheinen, um einer Messe beizuwohnen und sonach beim Landtage zu erscheinen».6 Mit diesem «denkwürdigen» Schreiben fand in Liechtenstein die Eröffnung des ersten Landtages statt. Zur Eröffnung des Landtages hatte Schüppler eine lange Rede vor- bereitet:7 Er ging zurück bis zu Napoleon und verurteilte die Erobe- rungskriege Frankreichs. «Und das erste was die erlauchten Staats- oberhäupter nach gesichertem Frieden zum Glücke ihrer Völker ein- zuführen beschlossen, war eine dem Zeitgeist angemessene ständische Verfassung in jedem Staate, um die Freiheit der Völker nicht mit eit- len Gepränge blos zu nennen, sondern ... sie durch allgemeine, jeden Staatsbürger verbindenden Gesetze und gleiche Austeilung der Staats- lasten auch wirklich zu üben». Die landständische Verfassung ist aller- dings mehr ein «eitles Gepränge», als dass sie dem Volke Freiheiten einräumt, die nach Schuppler nur in «allgemeinen, jeden Staatsbürger verbindenden Gesetzen und gleicher Austeilung der Staatslasten» be- stand. Auch bedinge die geographische und politische Lage, «dass diese ständische Verfassung nicht anders eingeführt werden konnte als wie sie uns wirklich vorgeschrieben erscheint». Man könne z. B. nicht eine eigene Gesetzgebung unterhalten, weil ein solcher Staatsverwaltungszweig den sämtlichen Erwerb verschlin- gen würde und «wir würden einem sinnlosen Menschen gleichen, der nur darum alles verscharrt, um vor dem Bestehlen sicher zu sein». Schuppler spricht hier nur von der Übernahme der Gesetzgebung Öster- reichs, nicht aber von den Freiheiten, die dem Volke in der Verfassung nicht gewährt wurden. Es entspricht auch ganz dem Denken Schupp- lers, wenn er die Verfassungen der Kantone St. Gallen und Graubün- den mit dem Einwand ablehnt, dass sie «republikanisch regiert werden und zur schweizer Conföderation gehören, zu einem Bunde, dem Ver- bindungen mit unserem erlauchten Herrscherhause eben so wenig ge- stattet wie wenig wir, auch wenn wir es wollten, in diesen aufgenom- men würden». Deshalb könne auch nur die österreichische Staatsver- fassung für Liechtenstein willkommen sein. Im folgenden erklärt dann Schuppler den Anwesenden die einzelnen Paragraphen der Verfassung 6 LRA SR L6, 68pol., 8. März 1819: OA an die Gemeinden. 32
        

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