Im vierten Abschnitt43 wurden die Bestimmungen über die Kon- trolle der Vermögensverwaltung behandelt. Das Oberamt wurde ver- antwortlich gemacht für eine gerechte und gewissenhafte Verwaltung des Waisenvermögens und verpflichtet, jährlich der fürstlichen Buch- waltung in Wien eine detaillierte Rechnungslegung zu unterbreiten. Mit der Einführung eines Waisenamtes war ein wichtiger Schritt in der sozialen Gesetzgebung gemacht worden. Vor der Errichtung dieser Institution waren die Waisen schutzlos ihren Vormündern aus- geliefert gewesen und hatten «oft ihr ganzes Vermögen eingebüsst».44 Indem nun die Verwaltung von dem Oberamt ausgeübt wurde, das ausserdem noch unter Kontrolle der Hofkanzlei stand, war eine sorg- fältige Überwachung der Vermögensverhältnisse gewährleistet. Dem Oberamt wurde aufgetragen,45 alle Waisenvermögen aus den Verlassenschaftsabhandlungen auszuheben, und zwar rückwirkend bis 1809,46 und hieraus eine Aufstellung des Vermögens der Waisen und Kuranden vorzunehmen. Den bisherigen Vormündern wurde das ihnen zur Verwaltung anvertraute Vermögen entzogen und der Kompetenz des Oberamtes zugesprochen. Am 30. Juli wurde den Ortsgerichten die Einführung des Waisen- amtes bekanntgegeben47 mit der Bemerkung, dass dieses «wohltätige Institut in Bälde in Wirksamkeit treten» werde.48 Diese Errichtung eines Waisenamtes trägt noch deutlich den Stem- pel der Zentralisationsbestrebungen Johann I.; dennoch überwogen die positiven Seiten dieses Erlasses, der den bisher finanzieller Unsicher- heit ausgesetzten Waisen gesetzlich verankerten Schutz gewährte. Das Gemeindegesetz vom 1. August 184249 brachte nach mehr als zehnjähriger Vorarbeit die erste schriftliche Ordnung, «die umfassend Bestand, Einrichtung und Verwaltung der Gemeinden und das Ge- 43 1. c. §§ 47 bis 50. 44 LRA NS 1830 — 39, 4833, 7. Juni 1836; HKW an OA. 45 Begleitschreiben zur Instruktion. 46 1809 war das Erbschaftspatent erlassen worden; cf. Malin, 106 f. 47 LRA NR 24/4, 30. Juli 1836; OA an Ortsgerichte. 48 1. c. 49 LRA NS 1840-49, 1. Aug. 1842; Gesetz über Gemeindewesen und Frei- zügigkeit. 181
        

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