Oberamt selbst festgestellt hatte, dass die Schweizer Schulen besser seien als die österreichischen.95 Von jetzt an kamen für die Ausbildung der Lehrer nur noch Österreich und Bayern in Frage. Über die Verhältnisse der Lehrer gibt ein Brief von Kurat Wolfinger aus dem Jahre 1844 Auskunft. Wolfinger deckte schonungslos die Feh- ler auf, welche die Mißstände in den Schulen hervorriefen:96 Die Ge- meinde bezahle dem Lehrer den Gehaltsanteil «nie zur gehörigen Zeit, . . . nie unaufgefordert».97 Die Schulbücher würden vom Lehrer besorgt und bezahlt; die Eltern sollten diese dem Lehrer bezahlen, «was aber bei manchen Anstand findet, von andern gar nie bezahlt» würde.98 Dadurch erleide der Lehrer jährlich einen Schaden von wenigstens 10.— fl. Ebenso habe er für die Herbeischaffung des Brennholzes für die Schulstube mit der Gemeinde unaufhörlich zu kämpfen «und oft ist es nahe daran aus Mangel des Holzes das Schulhalten einstellen zu müssen».99 Wolfinger bemerkte abschliessend, diese Tatsachen stellten einen bedauerlichen Beweis von «Apathie, Gleichgültigkeit und Theil- nahmslosigkeit der Gemeinde am Schulwesen und Gedeihen desselben unverkennbar heraus».100 Wolfinger forderte die Schulbehörde auf, gegen «einen so hartnäckigen Schulfeind» streng vorzugehen und wies darauf hin, dass die ganzen Schulverhältnisse einer Revision bedürften. Das ganze Schulwesen war im Aufbau begriffen und hatte noch keine feste, allgemein gültige Form gefunden. Es waren wohl Bemü- hungen vorhanden von Seiten der Obrigkeit und der Geistlichkeit, doch war es vielfach sehr schwer, in der Bevölkerung Verständnis und Vertrauen für die Schule zu wecken und ihre Unterstützung für das Schulwesen und die Lehrerausbildung zu finden. Eine Ausnahme bildet die Berufung von zwei Schwestern aus dem «Barmherzigen Orden» an die Schule von Vaduz. Die Jungfrau There- sia Rheinberger, Tochter von Altrichter Johann Rheinberger, stellte 95 LRA NR 33/11, 19. Aug. 1943; OA an Fürst. 96 LRA NR 94/1, ad353, 21. Mai 1844; Curat Wolfinger an OA. 97 1. c. 98 I. c. 99 1. c. 100 1. c. 167
        

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