Er entschuldigte sich damit, dass er nicht gewusst habe, dass in Liech- tenstein die österreichischen Gesetze eingeführt worden seien, welche Ehescheidungen dem weltlichen Gericht zusprächen.54 Die weltliche Obrigkeit hatte damit einmal mehr gezeigt, dass sie nicht im geringsten gesonnen war, der Kirche auch nur das kleinste Recht abzutreten. Sie versuchte im Gegenteil, immer mehr Kompeten- zen an sich zu bringen und die Kirche unter weltliche Kontrolle zu stellen und sie wie in Österreich zum «Werkzeug des absoluten Staats- gedankens zu machen».55 Dieselben Gedanken zeigen sich auch in den Äusserungen des Oberamtes und der Hofkanzlei, als drei Geistliche der Landtagssitzung von 1825 fernblieben;56 Schuppler warf den «fin- steren, im Mönchsgeist erzogenen» Priestern vor, dass sie die Staats- gewalt der geistlichen Hierarchie unterordnen wollten.57 Ein weiterer Anlass zu Verhandlungen, Konferenzen und umfang- reichem Schriften Wechsel war die Auflösung des Klosters Pfäfers.58 Das Kloster Pfäfers, gegründet im 8. Jahrhundert, hat vermutlich die Kirche von Eschen schon als Dotationsgut erhalten und sie verblieb dem Stift bis zu seiner Säkularisation.59 Unter dem Abt Placidius Pfister, der dem Kloster seit 1819 vorstand, erfolgte durch einen Be- schluss des Grossen Rates von St. Gallen vom 20. Februar 1838 die Aufhebung des Klosters Pfäfers.60 Schon zwei Jahre vorher war über das Kloster ein Administrator gestellt worden, was auch das Oberamt in Vaduz veranlasste, den Pfarrer und Statthalter Benedikt Styger61 in Eschen zum Kurator der auf liechtensteinischem Gebiet liegenden 54 1. c. 55 Hantsch, 292. 56 cf. oben S. 37. 57 1. c. 58 Von den wichtigen Urkunden über die Verhandlungen zwischen Liechten- stein und dem Kanton St. Gallen sind Regeste veröffentlicht in A. Schädler, Beiträge zur Geschichte der Pfarrei Eschen, JBL 17 (1917), besonders S. 49 ff. 59 Poeschel, 228. 60 Büchel, Eschen, 51. 61 Benedikt Styger war seit 1831 Pfarrer in Eschen; er versah die Pfarrei nach der Aufhebung von Pfäfers noch bis 1843. Er starb in Schaan am 10. Nov. 1848. cf. Büchel, Eschen, 21. 129
        

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