und Aufschübe war aber die Geduld der Delegierten erschöpft und sie entschlossen sich, gegen den Willen des Fürsten am 11. November 1840 nach Wien abzureisen.35 Von der durch die Deputierten eingereichten Motion ist nur eine Anzeige des Oberamtes erhalten, welche die Punkte aufzählt, die in der Bittschrift enthalten waren.3*' Es waren dieselben Anliegen, welche in Erwartung einer Reise des Fürsten in das Land hätten vorgebracht werden sollen. Verlangt wurden37 eine bessere Repräsentation des Vol- kes, Verminderung der Kontingentskosten und der Zoll- und Weggeld- regale, eine genaue Bekanntmachung der Robotschuldigkeit, Ordnung der Bistumsangelegenheiten und des Zollverhältnisses zu Österreich, Beschränkung des Hausierhandels, Vereinfachung des kostspieligen Exekutionszuges, Regelung des Salzhandels und der Zehentfragen, Pfarrbesetzung durch eigene Geistliche, Revision des Schulwesens, Be- schränkung der Auswanderung, Einführung besserer Zuchtpolizei und die Ausscheidung des Pfäferschen Klostervermögens zur Errichtung einer Musterschule. Hier tauchen neben alten, schon oft vorgebrachten Bitten neue For- derungen auf, welche die kommenden Bestrebungen der 48er Zeit vor- ausahnen lassen. Auch spricht unverkennbar der Geist von Peter Kaiser aus verschiedenen Punkten. Der erste Punkt, eine verbesserte Reprä- sentation des Volkes, war andeutungsweise schon 1831 zur Sprache gekommen,38 war jedoch bei Fürst Johann auf taube Ohren gestossen. Jetzt hoffte man, damit mehr Erfolg zu haben, da man glaubte, bei Alois eher Verständnis und Gehör zu finden. Alois jedoch, der in sei- nen Entschlüssen oft sehr zögernd wirkte und immer Rücksicht nahm auf die Verhältnisse in den anderen Bundesstaaten, besonders in Öster- reich, waren durch die Entwicklung im Deutschen Bund die Hände ge- bunden. Die Reaktionspolitik des Deutschen Bundes versuchte durch 35 1. c, 11. Nov. 1840; OA an HKW. «Ungeachtet der fürstlichen Entscheidung sind nach Angabe des Herrn Peter Kaiser die Deputierten entschlossen, mit dem heute nachts abgehenden Postwagen nach Wien abzureisen». — I. Müller datiert die Abreise auf den 4. Nov. 1840. cf. Müller, Geistesgesch. Studie, 82. 36 LRA NR 69/14, 16. Okt. 1840; OA an Fürst. 37 1. c. Folgende Punkte aus diesem Schreiben. 38 cf. oben S. 76. 108
        

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