Pokorny, der sich «als verwendbarer Beamter» bewährt hatte,11 war ein noch ganz mit rheinbündischer Bürokratie behaftet Beamter, der aus der Theorie heraus, ohne Fühlung mit dem Volke, regierte.12 Er war als ein Fremder ins Land gekommen und dem Volke auch im- mer ein Fremder geblieben. Seine wenig überzeugende Rolle, die er bei den Unruhen während seiner Amtszeit spielte, mag dazu beigetragen haben, dass seiner Bitte um Übersetzung so bald entsprochen wurde. Hatte Schuppler während seiner Tätigkeit wenn nicht gerade Beliebt- heit, so doch teilweise Anerkennung beim Volke gewinnen können,13 blieb Pokorny der überhebliche Beamte, der in den «Akten und in der bureaukratischen Ordnung alles Leben beschlossen glaubte».14 Menzin- ger hingegen entsprach mehr dem Charakter seines Vaters. Er dachte nicht so josefinisch wie Schuppler15 und war weniger Beamter als Pokorny. Er zeigte Verständnis für die Anliegen des Volkes und bewies in manchen Angelegenheiten eine fortschrittliche Gesinnung. Natür- lich überwog auch bei ihm noch das obrigkeitliche Denken, aber in einer freieren, offeneren Art. Er war nicht unzugänglich für Neuerun- gen, deren Anregungen vom Volk her kamen. Revolutionäre Ideen waren auch ihm ein Greuel, einer allmählichen Evolution aber war er nicht abhold. Er konnte auch eher als seine zwei Vorgänger dem Volk entgegenkommen, da Fürst Alois II. nicht die herrisch-militärische Natur seines Vaters Johann I. besass. Am 28. April 1836 erhielt das Oberamt die Anzeige, dass Fürst Johann I. am 20. April gestorben sei.18 Gleichzeitig machte Alois II. die Übernahme der Regierung bekannt:17 Alle Beamten wurden in den bisherigen Dienstverhältnissen behalten; der Diensteid wurde ihnen erlassen. Ebeso verzichtete Alois, und das ist bezeichnend für ihn, auf den Untertaneneid der liechtensteinischen Bevölkerung, «indem Wir die Unserm verklärten Herrn Vater gewidmete Unterthanstreue und 11 cf. In der Maur, Fürst Johann, 201. 12 cf. Schnabel I, 158. 13 cf. oben S. 46. 14 Schnabel I, 157. 15 cf. Malin, 47 f. 16 LRA NR 50/9, 28. April 1836; HKW an OA. Uber Johann I cf. O. Criste, Feldmarschall Johann Fürst von Liechtenstein, Wien, 1905; In der Maur, Fürst Johann, JBL 5 (1905); Malin, 31 ff. 17 1. c. 105
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.