Speziell im Falle Triesen lässt sich trotz der anzunehmenden Klein- heit der Maueröffnung aus ihrer Lage die Möglichkeit einer Einblick- nahme auf den Altar erkennen. Dieser stand somit wohl unter dem Chorbogen. Für den Einblick auch auf einen weiter östlich stehenden Altar hätte die Scheidmauer des Erstbaues kein Hindernis bedeutet, da sie nur etwa 40 cm vorstiess. Wie schon dargelegt wurde, entsprechen Form und Lage der Öffnung I dem spätromanischen Erstbau, wohl aus der 1. Hälfte des 13.- Jhdts. Verfolgen wir die Messgebräuche jener Zeit, so lässt sich feststellen, dass seit dem 12. Jhdt. die Wandlung, das An- schauen der heiligen Hostie, zum neuen Mittelpunkt der Messe wurde.11 Trotz gegenteiliger römischer Gesetzgebung kam es zur Aussetzung des Allerheiligsten während ganzer Messen und besonderer Anlässe, und dies vor allem im südwestlichen Raum Deutschlands bis zum Beginn des 16 Jhdts. «Wenn man den Leib des Herrn gesehen hatte, war man befriedigt». Da man diesen Akt natürlich am besten in der Kirche vor- nehmen konnte, stellt man sich die Frage, wer davon ausgeschlossen war. Darunter befanden sich solche, die unter Exkommunikation stan- den, ferner die Katechumenen für die Phase des Abendmales und — Aussätzige. Da ersteren auch ausdrücklich der Anblick der Hostien verboten war — und das sicherlich auch von aussen — kommen eigent- lich nur Aussätzige oder solche in Frage, die in der Kirche keinen Platz fanden oder ohne das Messopfer zu stören, den heil- und wunderwir- kenden Anblick der Hostie über sich ergehen lassen wollten. Dass sol- che Öffnungen aber auch eigens für Aussätzige bestanden, wissen wir aus der Maria-Magdalena Kirche zu Levis mit anschliessendem Siechen- haus: An der Nordseite des Schiffes findet sich ein vermauertes Seg- mentbogenfenster, dessen Leibungen parallel zueinander, schräg auf den Hochaltar zu verlaufen.12 Ob es übrigens nur ein Zufall ist oder das Festhalten an der Tradition, den Leprakranken den Einblick durch besagte Öffnungen in Triesen zu gestatten, wenn sich auf dem ehema- ligen Altar auf der Epistelseite die Darstellung des heiligen Antonius 11 Jungmann, J. A., Missarum solemnia. Eine genetische Erklärung der römi- schen Messe Bd. I Wien, 1948. S. 151 - 153. Um die Wandlung zu sehen, lief man in den Städten von Kirche zu Kirche, führte Prozesse, um einen günstigen Ausblick auf den Altar zu haben. Dieser Brauch der Hostien- verehrung erfuhr kirchlicherseits bewusste Pflege. 12 Frey, D., Die Kunstdenkmäler des polit. Bezirkes Feldkirch, Wien 1958, S. 294. 79
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.