stärkt, die Münzen eingelegt und ein zweiter Keller unter einem Kir- chenvorbau errichtet worden sein. Nur schwer und vage zu deuten ist die Funktion der Kellerräume, über die wir an keiner Stelle etwas erfahren. Die bisher erfolgte Erklä- rung als «Zehentkeller» befriedigt bei der als sehr wahrscheinlich anzu- nehmenden Gleichzeitigkeit von Keller I und Erstkirchenbau keinesfalls. An eine Krypta im eigentlichen Sinne zu denken, als Aufbewahrungsort von Reliquien oder Grabstätte, ist ebenfalls unglaubwürdig: Wenn, wie noch später dargelegt werden soll, die Erstkirche in der 1. Hälfte des 13. Jhdts. entstanden ist, also auf den Bauwillen der Prämonstratenser von St. Luzi zurückgeht, so lässt sich die Anlage des Kellers I bei der bekannten Kryptenfeindlichkeit des Ordens aus diesen Gründen nicht erklären.6 Ferner konnten auch keine Andeutungen eines Grabes ent- deckt werden. In Erwägung zu ziehen wäre der Gebrauch für irgend eine Form des Totenkultes (Beinhaus Ilanz) oder als selbständige Kle- rikerkirche der Konventualen aus Chur, denen missae publicae uner- wünscht sein konnten. In Betracht zu ziehen wäre die im 13. Jhdt. ein- setzende Anhäufung von Privatmessen, die sich in einer Vermehrung der Altäre zeigte — und eine solche konnte schwerlich in der engen romanischen Kirche stattfinden. Somit Hesse sich hier bei Keller I an eine Unterkirche denken; vollends im Unklaren liegt dann die Bedeu- tung des erst in gotischer Zeit geschaffenen Kellerraumes II. Dass die Kellerräume weniger eine praktisch-wirtschaftliche Bedeu- tung hatten und vielmehr eine liturgische, die man «später» nicht mehr verstand oder kannte, könnte der Grund für die bereits im 16. Jhdt. auf- scheinende Vernachlässigung der Räume sein. Inwieweit die 1653 ge- machte Charakterisierung, der Keller sei «dem Gebäude mehr Zierd als Hindernuss», in diese Richtung weist, ist schwer zu sagen. Fest steht jedenfalls, dass man sich bei der Errichtung des Barock- baues um solche Dinge nicht mehr kümmerte und den noch beste- henden Keller I durch das Tieferlegen des neuen Fussbodenniveaus zerstörte. Der baugeschichtlich interessanteste Teil der Kirchenanlage ist die Südwand des Schiffes (Abb. 6). Es lässt sich deutlich erkennen, dass sie 6 Knoepfli, A., Kunstgeschichte des Bodenseeraumes, Konstanz 1961, Bd. 1, S. 260. 75
        

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