Ein Rechen kostete in den Dreissigerjahren zwei Franken. Wurde er in die Ablage geliefert, die in den Talgemeinden etwa die «Gemischt- warenhandlung» übernahm, dann musste noch ein Verkaufsrabatt ge- währt werden. Meist aber vertrieb er seine Erzeugnisse von Haus zu Haus. Er machte zwei Bündel aus je einem Dutzend Rechen, deren Häupter aufeinander lagen. Die Bündel wurden an den Stielenden zu- sammengebunden und auf den Rücken genommen, so dass die Häupter vor den Schultern lagen. Auf jede Schulter kam die Last von zwölf Rechen zu liegen. Hausiert wurde erst kurz vor der Heuernte. Vorher oder nachher war mit den Bauern kein Geschäft zu machen. So trug Gantner etwa an einem Sonntagmorgen seine Rechen von Planken nach Triesenberg. Nach der Spätmesse bot er sie den Bauern auf dem Kirchplatz zum Kaufe an. Was nicht verkauft wurde, kam in die Ab- lage im Gasthaus «Alpenrose». Seinem Ehni (Grossvater) und seinem Vater (f 1967) hat schliesslich Heinrich Gantner das Rechenmachen abgeschaut. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg wurden noch Rechen auf Vorrat hergestellt. Durch die Um- stellung in der Landwirtschaft und die maschinelle Herstellung aller Geräte in Grossbetrieben ging der Bedarf immer mehr zurück. Zudem eröffneten sich anderswo bessere Verdienstmöglichkeiten. Heute gehört das Handwerk des Rechenmachers der Vergangenheit an. DER ARBEITSGANG a) Das Rechenhaupt Von einem gut spaltbaren, dürren Stück Buchenholz von ca. 80 cm Länge, einer «Spälta», trennt der Rechenmacher mit Hilfe von Kei- len ein Stück von ca. 5 cm Dicke ab (Abb. 1). Mit dem Beil bearbei- tet er den «Schäta», bis er die grobe Form des Hauptes hat. Dieses wird nun auf dem «Eselsstuel»a mit dem Zugmesser fertig bearbeitet (Abb. 2). 3 Das Gerät ist uralt und wurde schon in gallo-römischer Zeit in ähnlicher Ausführung verwendet. Abbildung auf einem Grabdenkmal bei M. Pobe und J. Roubier, Kelten-Römer, 1000 Jahre Kunst und Kultur in Gallien (Ölten 1958), T. 214. Mitgeteilt von Dr. Paul Hugger. 109
        

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