Am 17. Juni kapituliert Chur, und Baldiron will seine Truppen durch das Engadin nach Tirol führen. Zwischen den Welschen und Deutschen entsteht in Chur ein Streit, und die Salzburger verlangen und setzen es auch durch, über die Luziensteig zu marschieren. Der Bericht über diesen Auszug durch unser Land lautet: «So sind also die Deutschen, davon bis 750 auserlesene salzburgische Soldaten gewesen und ihnen der sichere Abzug mit ihren Fahnen, Überwehren, Sack und Pack vergunnt, über die Steig hinaus begleitet worden mit zuvor gelei- stetem Eid, so sie den Püntnern vor Malans geschworen, dass sie nim- mermehr kein Wehr und Waffen wider die gemeyne drei Pündt sowohl auch gegen die vier evangelische Stadt noch das löbliche Ort Glarus tragen wollen». Graubünden ist befreit von österreichischen Truppen, die Grenzen werden besetzt. Das Volk fühlt sich erlöst. Unser Land lebt aber weiter in Angst. Der Landvogt berichtet nach Feldkirch, dass sich Kriegsvolk auf der Steig sammelt, und Corrett schreibt nach Innsbruck, dass 12000 Schweizer nach Maienfeld rücken, um Ausfälle nach Feldkirch und ins Montafon zu unternehmen, worauf die Innsbrucker Räte ihrem Erzherzog (der meist im Elsass im Lager der Kaiserlichen ist) melden, dass Gefahr drohe. Bald kommt eine neue Bedrängnis: Am 5. Juli fallen Soldaten von der Steig plündernd in Balzers ein, rauben und treiben das Vieh von den Feldern in die Herrschaft Maienfeld, am 9. und 25. August werden die Alpen heimgesucht, besonders die Schaaner Alp Gritsch. Johann Baptist Büchel hat ein Verzeichnis des geraubten Viehs gefunden, das der Landvogt aufstellen liess. Den Balznern wurden 44 Pferde, 19 Och- sen und 18 Kühe geraubt, aus der Alp Gritsch allein wurden 80 Kühe und 23 Rinder weggeführt. Nach langen Verhandlungen gaben die Bündner den Balznern ihr Vieh wieder zurück, und diese mussten für das Wiederbringen reichen Lohn zahlen und eine Kuh «verehren»; die andern Gemeinden erhielten nichts. Graf Kaspar von Hohenems klagt schriftlich bei den Drei Bünden und betont seine neutrale Haltung gegen die Bündner und besonders die aufständischen Prätigauer. «Nichts destoweniger aber, auch wider gegebenes Wort, Treu, Glauben und Brief, dass zwischen uns die alte Nachbarschaft gehalten werde, der Püntner Kriegsvolk, darunter son- derbar Hauptleut, Befehlshaber und Gemeine aus der Herrschaft Mai- 90
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.