Haus aus gewehrt hatte, ausserhalb der Grenzen der Heimat eingesetzt zu werden, anderseits die Soldaten von Castels, welche die Rache der Bündner fürchteten, weil sie von ihnen als Meineidige angesehen wer- den mussten. Innsbruck sah aber von Inquisition und Standrecht ab, um nicht noch mehr Unruhe unter die Leute zu bringen. Der Aberglaube hatte sich des Ereignisses bemächtigt: Am Vorabend des Kampfes sollen ob der Steig zwei Fahnen in den Lüften gesehen worden sein, eine schneeweisse und eine blutrote, und die weisse habe die rote hinuntergeworfen. So erzählt Anhorn, und Sprecher berichtet, dass man einzelne Leichen gefunden habe, von denen drei Finger aus der Erde ragten, wohl von Soldaten, die meineidig geworden waren. Wieder schreiben die Räte aus Innsbruck dem Grafen von Hohen- ems, er möge einen Waffenstillstand zustandebringen, «weilen wissend, dass er bei den Bündnern und zu Prättigau in grossem Vertrauen». Er möge in Gottes Namen mit allem fortfahren, was diesem Ziele diene. Unter Führung von Oberst Corrett wurde am 23. Mai von Gutenberg und Balzers aus ein neuer Angriff auf die Bündner vorgetragen, dem sich diesmal stärkere Kräfte der Bündner entgegenstellten, und wieder unterlagen die Angreifer, unter denen sich vier eben aus dem Elsass angekommene Kompagnien des Grafen Alwig von Sulz befanden. For- tunat Sprecher, dessen Bruder im Kampfe fiel, berichtet von 200 toten Österreichern. Wieder erfolgt der Rückzug nach Gutenberg. Versuche, von dort aus den belagerten Soldaten in Maienfeld zu Hilfe zu kom- men, scheiterten in den nächsten Tagen. Schrecken verbreitete sich in der Umgebung. Es kommt die Nachricht in unser Land, Thüring Ender- lin stehe mit 200 Mann bei Salenegg, und er habe gedroht, Balzers und andere Orte mehr zu verbrennen. Viele Feldkircher flüchteten mit ihrer Habe über den Rhein. Die Lage der Besatzung von Maienfeld war unhaltbar geworden, und Landvogt Prosswaiden vereinbart eine Zusammenkunft wegen der Kapitulation. Sie wird am 1. Juni auf Gutenberg abgeschlossen. Es soll der Abzug der Truppen «nach deutschem Kriegsbrauch ehrbar, redlich abgehan- delt werden» und die Soldaten, die sich tapfer gehalten haben, sollen unter Trommelstreich und Mitführung der Kranken frei abziehen dür- fen. Vier Fähnlein, die den Prätigauern abgenommen waren, mussten zurückgegeben werden. 88
        

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