besonderen Ehre anrechnen, da die nüchternen Bündner bisher noch keinen Gesandten so feierlich empfangen hatten. Am nächsten Morgen holten ihn je zwei Abgesandte der Drei Bünde zur Vollversammlung der Tagsatzung ab». Der Graf ersuchte die Versammelten, der alten Erbeinigung und guten Nachbarschaft eingedenk zu sein, und warnte vor den Folgen eines unüberlegten Schrittes, müssten doch dann das Reich und Haus Österreich sowie das Herzogtum Mailand die Konsequenzen ziehen. Der Schluss der Ansprache ist eine Versicherung des guten Willens und ehrlicher Nachbarschaft: «Lasst mich auch als Euern nächsten Nachbarn, der Euch und diesen Landen, wie ihr bisher gespürt haben werdet, Gutes und Ehre gegönnt... dem es auch im Falle eures Übel- standes und Ungemachs (so Gott verhüten will) am nächsten berührt und es daher für einen gemeinsamen Schaden achten und empfinden müsste, einen guten Boten sein . . . Und verbleib ich für meine Person euch allen samt und sonders wie auch diesem Lande mit aller Nach- barschaft und Treue äusserst beigetan». Die Gesandtschaft des Grafen hatte Erfolg; der Bundestag lehnte das venezianische Bündnisangebot ab, wenn auch mit knappem Mehr. Graf Kaspar konnte auf das Erreichte stolz sein, und er bemühte sich, so gut es ihm möglich war, neutral zu bleiben, ging es doch um die Behauptung seines Besitzes und ganz besonders um unser Land, das nicht nur zwischen beiden Interessenbereichen lag, sondern auch da- durch besonders gefährdet war, dass die Feste Gutenberg als österrei- chisches Gebiet eine Insel in der Grafschaft Vaduz war. Freie Hand hatte er nicht, denn der Schlossöffnungsvertrag für Vaduz blieb in Kraft, und die so wichtige Strasse zu sperren, dazu fehlte ihm die Macht. Oft noch setzte er sich dafür ein, seine Untertanen in unserem Lande vor dem Schlimmsten zu bewahren. VORBOTEN DES AUFSTAN DES Der Kampf der Parteien in Graubünden ging weiter. Ein Strafgericht in Thusis, das von August 1618 bis Januar 1619 tagte, erregte durch seine Grausamkeit gegenüber den Parteigängern Österreichs und Spa- niens Entsetzen. Rudolf und Pompeius Planta, die Führer der katholi- schen Richtung, wurden auf ewig aus der Heimat verbannt. 77
        

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