ÖSTERREICH UND DER ZEHNGERICHTEBUND Der Zehngerichtebund, der kleinste der Drei Bünde, entstand nach dem Tode des letzten Toggenburger Grafen Friedrich VII. im Jahre 1436. Die sechs Gerichte Davos, Klosters, Castels, Beifort, Churwalden und Schanfigg kamen an die Grafen von Montfort, die beiden Gerichte Schiers und Langwies an die Grafen von Matsch und die beiden der Bündner Herrschaft (Malans-Jenins und Maienfeld-Fläsch) gingen an die Freiherren von Brandis über, wurden mit Vaduz vereinigt, im Jahre 1509 aber um 20000 Gulden an die Bünde verkauft. Als 1470 die Grafen von Montfort und 1496 der stark verschuldete Gaudenz von Matsch ihre Rechte an Österreich abtraten, wurde Haus Habsburg Landesherr über diese acht Gerichte, welche die österreichische Herrschaft ausdrücklich anerkennen mussten. Sie wurden von Innsbruck aus verwaltet, das der Sitz der oberösterreichischen Regierung war. Der Landvogt residierte auf Schloss Castels im Prätigau und wurde von der Innsbrucker Regierung mit Zustimmung der Gerichtsgemeinden ernannt. Er war fast immer Angehöriger eines Graubündner Geschlechtes und musste bei seinem Amtsantritt geloben, sich nicht in die inneren Ange- legenheiten der Gemeinden einzumischen, die sich also innerhalb der Vogteiverwaltung noch eine gewisse Selbständigkeit bewahren konnten. Das Verhältnis zu Österreich begründete sich in der Folge auf der sogenannten Erbeinigung des Jahres 1518, einem Vertrag, der zwischen Kaiser Maximilian, seinem Lande Tirol und den Herrschaften vor dem Arlberg einerseits und dem Bischof und Stift in Chur sowie den Drei Bünden anderseits zustandekam. Unser damaliger Landesherr, Graf Rudolf zu Sulz, hatte das Amt des Statthalters der oberösterreichischen Lande inne, und es ist für un- sere Geschichte interessant, dass er wohl die entscheidende Kraft für den Abschluss des Vertrages gewesen sein wird. Die Erbeinigung war als «erbliches und ewiges Bündnis» zur Erhal- tung «getreuer, guter Nachbarschaft» gedacht, setzte ein Schiedsgerichts- verfahren fest und gab den Vertragsparteien das Recht, im Kriegsfalle im Gebiete des Partners Kriegsknechte anzuwerben, die «willig, gern und aus eigener Bewegnus um Sold reisen». Österreich zahlte jährlich jedem der Drei Bünde zweihundert rheinische Gulden für dieses Zu- geständnis. 71
        

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