Nach Fritz ZOPFI (siehe I, Ziff. 9) hätten vor den Rätern in unseren Gegenden die Ligurer gelebt, die dann von dem «Herrenvolke» der Räter abgelöst worden wären. «Von der Sprache der Räter», sagt ZOPFI wörtlich, «weiss man leider fast nichts; sie scheint eine von etruskischen, liguri- schen, illyrischen, keltischen und lepontischen Einflüssen durchsetzte Mischsprache gewesen zu sein (wie vergleichsweise das Englische)». Kein Geringerer als der bekannte Zürcher Professor J. U. HUB- SCHMIED vertritt seit neuestem mit überzeugenden Argumenten wie- der die These: die Sprache der Rät er sei das Etruskische gewesen. Am VI. Internationalen Kongress für Namenforschung in München (1958) hielt er einen Vortrag über «Etruskische Ortsnamen in Rätien», veröffentlicht im «Studia Onomastica Monacensia» Band III (München 1961). Im folgenden Schlussabsatz kommt seine Auffassung klar zum Aus- druck : «Ich habe in gedrängter Darstellung nur einen kleinen Teil der vor- römischen Ortsnamen Rätiens zur Sprache gebracht. Hoffentlich haben meine Ausführungen doch gezeigt, dass Etruskisch die vorrömische Sprache Rätiens und anderer Alpentäler war, ein Etruskisch, das die- selben Namensstämme, dieselben Suffixe, dieselbe Variabilität der Suffixe zeigt wie das Etruskische Mittelitaliens, also wohl die Sprache etrus- kischer Flüchtlinge aus Oberitalien war; dass das Etruskische im Alpen- gebiet sich zweifellos viel länger erhalten hat als das Etruskische im städtereichen Mittelitalien». Prof. HUBSCHMIED kam in seinem Vortrag zwar nicht direkt auf liechtensteinische Ortsnamen zu sprechen, aber auf solche aus der Bündner Herrschaft, aus dem St. Galler Oberland und aus dem südli- chen Vorarlberg, also auf Namen aus unserer direkten Nachbarschaft im Süden, Westen, Norden und Osten. Bei dieser Vielfalt von Ansichten über die Sprache der vor 2000 Jah- ren hier wohnhaften Räter ist es nicht verwunderlich, dass so grund- verschiedene Namendeutungen aufkommen können. 23
        

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