Dass die mit soviel Überzeugung vorgebrachten Ansichten Dr. STEUB's nicht allgemein Zugang fanden, beweist die nachstehend zi- tierte Stelle auf Seite 4 der «Geschichte des Fürstentums Liechtenstein nebst Chur-Rätiens Vorzeit» von Peter KAISER (Chur 1847): „Den Rätiern aber gibt man einen andern Ursprung. Die Einen sagen: «Ein etruskischer Anführer, Namens Rätus, sei durch ein grosses Volk, welches sein Land wegnahm, gezwungen worden, über die Alpen zu flüchten. Da habe er in dem Lande, wo der Rhein entspringt, sich nieder- gelassen und von ihm habe es den Namen Rätien erhalten». Die Andern dagegen behaupten: «In dem Berglande, das man Rätien heisst, hat ein Urvolk gewohnt, das sich «Rasener» d. i. Rätier nannte, und von ihm sind Ansiedler nach Italien gegangen und die Stammväter der Etrusker und Römer geworden. Daher findet man ein anderes Fläsch, nämlich Falisci, ein anderes Lavin, nämlich Lavinium, ein anderes Rumein, näm- lich Roma, viel anderer Orte nicht zu gedenken, in Italien». In so alten Dingen ist es schwer, zur Gewissheit zu gelangen; aber die angeführten Meinungen finden weder durch Denkmäler, noch in der Sprache Bestä- tigung. Denn von jenen haben sich als erweislich etruskische keine vor- gefunden, und die rätoromanische Sprache vermag keine Aufschlüsse zur Entzifferung der etruskischen Sprachüberbleibsel zu geben; denn ihr Hauptreichtum lässt sich auf den Stamm, nämlich auf das Lateinische und Italienische zurückführen, und der Überrest, so wie die so seltsam klingenden Namen der Ortschaften, Berge, Alpen, Flüsse finden ihre Erklärung weit leichter im Keltischen, als im Etruskischen, das Niemand kennt. Und so dürfte die Ansicht derjenigen, welche die Rätier dem kel- tischen Stamme zuzählen, der Wahrheit am nächsten kommen". •x Kanonikus Joh. Franz FETZ, der in «Schloss von Faduz», einer zeit- weiligen Beilage zum «Liechtensteiner Volksblatt» (Jahrgänge 1879 bis 1881) teils wertvolle historische Abhandlungen veröffentlichte, schrieb zu diesem Thema kurz und bündig: «Eine speziell den Rhätiern angehörige, eigenthümliche Sprache gab es auch nicht. Die in weiten Kreisen des alten Rhätiens noch übergeblie- benen einzelnen Laute, Wörter und Namen, welche 
man Rhätisch nennt, verrathen in ihren Formen nur 
die Keltische Sprache, wo sie noch rein, unverfälscht erhalten sind, und geben möglichst sichere Anhaltspunkte zur Erklärung dieser rhätischen Namen und Wörter. Wie es verschiedene keltische Stämme gab, so waren auch 
ihre Dialekte — Mundarten — ver- schieden, doch immer mit erkennbaren Grundformen. So war die ur- sprüngliche Sprache der Rhätier 
die Keltische. Diese keltische Sprache ist noch nicht ganz verschwunden, noch nicht eine todte Sprache. Sie lebt, wenigstens in ihren Grundformen, noch fort. Die Geschichte und Wissenschaft nennen uns heute noch 
lebende Kelten- Stämme mit ihren Mundarten oder Dialekten: in Spanien 
die lbirischen, in Frankreich, nämlich in der Britagne 
die Britanischen, in England die Irischen, in Siebenbürgen und Rumänien, im Tirol und endlich noch asiatischen Kelten«. Nach FETZ bewohnten die Rhätier, bevor sie in die Hochalpen drangen, die Ebenen am Donaustrom. 19
        

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