beschäftigte er sich mit den wirklich befähigten Studenten, und es galt als eine grosse Ehre, überhaupt zu seiner Klasse zugelassen zu werden. Die glücklichen Auserkorenen, die seinen Klassen angehören durften, «betrachteten sich entschieden als etwas Besseres als die anderen Mu- sikschüler» (W. Petzet); im Unterricht selbst fühlten sie sich aber nicht so sehr wohl, da Rheinbergers Stunden «ein aussergewöhnliches Mass von Aufmerksamkeit und Energie erforderten». Prof. Rheinberger war für seine Strenge bekannt; bei seinem Unterricht «herrschte bitterer Ernst»; grundsätzlich spendete er sehr sparsam Lob. Trotzdem war er als immer gerechter Lehrer geschätzt, und all seine Schüler hatten vor ihm nicht nur etwas Angst sondern auch tief empfundene Hochach- tung; »Rheinberger war beinahe ein Gott in den Augen seiner Schüler» (S. Homer). Auch der ihm von den Schülern verliehene Spitzname «Fugensepperl» galt ja nicht als Beleidigung, sondern eher als Zeichen der Bewunderung ! Der Meister konnte auch menschliche Seiten seines Charakters zeigen: Man berichtet, dass er seinen Schülern stets ein liebevoller Berater und Förderer in späteren Lebensfragen war, dass er in gewissen Fällen sogar, das Schulgeld für arme, begabte Studenten bezahlte. Man schätzte beim Lehrer Rheinberger besonders die Tat- sache, dass er jederzeit sehr objektiv war und den Schülern seine per- sönlichen Meinungen nie aufzwingen wollte trotz seiner starken Vor- urteile gegen die damals «moderne» Musik (Wagner, Liszt). Seine grosse Schar von Schülern, wovon manche recht berühmt wurden, blieb ihm zeitlebens dankbar und hat bei verschiedenen Gelegen- heiten ihre Anerkennung des grossen Lehrers öffentlich ausgesprochen; so z. B. Wilhelm Furtwängler: »Ich habe dem strengen, stets anspruchs- vollen Meister viel zu danken und denke an seinen Unterricht sehr gerne zurück». In einem Musiklexikon unserer Zeit wird Rheinbergers Lehrtätigkeit in einer schön knappen Zusammenfassung sehr treffend gewürdigt: «Der Kern der Lebensleistung Joseph Rheinbergers bildet, trotz seines sehr umfangreichen kompositorischen Schaffens, sein Wirken als Mu- sikerzieher, als meisterlicher Kompositionslehrer. Für alle, die zwi- schen 1870 und 1900 zum Studium nach München kamen, wurde er der Vermittler eines unverlierbar gediegenen Könnens, das gerade in der Epoche des allgemeinen Drangs nach Freiheit des künstlerischen Gestaltens vielen Hochbegabten zugleich das handwerkliche Arbeits- fundament und eine Rückverbindung zu klassischen Traditionen si- 163
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.