welches einem das Leben verleiden könnte» (1859, noch als Privat- musiklehrer); «mein Leben ist ziemlich einförmig geworden vor lauter Schulmeisterei» (1859, nach Anstellung am Konservatorium); «das Schulmeistern wird mir immer zuwiderer» (1861, nach Beförderung zum Kompositionslehrer). Mit der Zeit aber scheint sich diese Haltung geändert zu haben, und man berichtet, dass er trotz der Leiden, die er während der 1890er Jahre erdulden musste, sich zum Rücktritt nie ent- schliessen konnte, da ihm seine Schule so sehr ans Herz gewachsen war, und es ihm sogar ein Lebensbedürfnis geworden war, zu lehren. Rheinbergers Vorgesetzter, Direktor Hans v. Bülow, sagte von ihm; «Er ist ein wahrer, idealer Kompositionslehrer, der an Tüchtigkeit, Feinheit und Liebe zur Sache seinesgleichen in ganz Deutschland und Umgebung nicht findet». Adolf Sandberger nannte ihn «den hervor- ragendsten aller Kontrapunktlehrer». Für die Münchner Musikschule war er eine grosse Attraktion, und junge Musiker kamen aus aller Herren Länder (mehrere z. B. aus Amerika), um seinen Unterricht zu geniessen. Als Methodiker zeichnete sich Prof. Rheinberger beson- ders aus. «Das Geheimnis des grossen Erfolges, dessen sich Rheinberger als Pädagoge bis an sein Ende erfreute, liegt vor allem in seiner Methode, die aufs Praktische gerichtet und aus praktischer Erfahrung schöpft, alles Theoretisieren möglichst vermied» (Th. Kroyer). Sein Unterricht, der ein «weites Blickfeld auf dem Gebiet der Form, der Satztechnik und der Ästetik eröffnete», war «schlicht, aller Schulmei- sterei entblösst, natürlich und logisch» (G. Hild), hatte einen auffallen- den systematischen Aufbau und wurde unter der Devise «Über den Zwang zur Freiheit» durchgeführt. A. Sandberger schrieb in diesem Zusammenhang die seither oft zitierten Worte: «Alle, die bei ihm lernen wollten, machten hier eine Schule des Handwerks durch, wie fundamentaler nicht gedacht werden kann . . . Die Methode dieses gros- sen Pädagogen war die einfachste von der Welt, ihr Geheimnis das der mittelalterlichen Bauhütten, der grossen Schulen der Renaissance: strenge Arbeit unter des Meisters Augen. Welch' eminenter Musiker dieser Mann war, das können in ganzer Fülle doch nur jene ermessen, die unter ihm an der berühmten, geliebten und gefürchteten Tafel gearbeitet haben». Rheinberger war ein Perfektionist, der keine Mittelmässigkeit dul- dete; er stellte sehr hohe Anforderungen an seine Schüler. Mit Vorliebe 162
        

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