malige Verbindung mit dem rätischen Gebiet von Juvavia nachweisen. Von hier südwärts ist wenig Gewisses zu finden, bis in die südlichen Seitenthäler des Pinzgaus (Gastein, Rauris u. s. w.). Die kurze Gränze von da bis zum Gebiete der italienischen Sprache fällt ungefähr mit der Gränze von Tirol selbst zusammen. Was östlich von derselben an un- deutschen Namen zu finden ist, wird dem grössten Theile nach slavi- schen Ursprunges seyn». STEUB's schwungvolles und mutiges Buch kann man auch heute noch mit Vergnügen lesen. Natürlich hielt nicht alles der Kritik, die bald einsetzte, stand. In Wien kämpfte Matthias KOCH mit grosser Vehemenz gegen STEUB's Behauptung: die Räter hätten etruskisch gesprochen. KOCH legte seine gegenteilige Ansicht in den «Kritischen Beiträgen zur Ge- schichte und Alterthumskunde Tirols» nieder (veröffentlicht in den Sitzungsberichten der kaiserlichen Academie der Wissenschaften zu Wien, 1850). Nach KOCH stammten die vorrömischen Namen Rätiens nicht der etruskischen sondern der keltischen Sprache. STEUB reagierte rasch mit einer angriffigen Gegenschrift (Münchner Gelehrte Anzeigen, 1851). Hierauf Hess Matthias KOCH ein neues Buch unter dem Titel «Die Alpen-Etrusker» (Leipzig 1853) erscheinen. Auch im Tirol erhoben sich Stimmen gegen STEUB's Buch. So konnte u. a. Pirmin RUFINATSCHA in Meran den Thesen STEUB's nichts ab- gewinnen und trat ihnen mit einer Abhandlung über das Wesen der romanischen Sprache entgegen. Leider arteten all diese Auseinander- setzungen in eine unfaire und persönliche Polemik aus. STEUB war daran offensichtlich nicht unschuldig. In seiner «Rätischen Ethnologie», Stuttgart 1854, untermauerte L. STEUB nochmals seine 11 Jahre früher publizierte Ansicht auf recht geschickte Art und setzte sich dabei mit seinen inzwischen recht laut gewordenen Gegnern auseinander.1) Von da an riss die Diskussion über dieses geheimnisumwitterte Alpenvolk nie mehr ab; sie ist heute wieder besonders stark in Fluss gekommen; ein Ende ist nicht abzusehen. Die Literatur hierüber ist da- her mannigfaltig, sodass ich eine Auswahl treffen muss. Im folgenden lasse ich neben anerkannten ausländischen Berufshistorikern und Sprachwissenschaftern auch die Gelegenheitsforscher aus unserer Ge- gend zu Worte kommen. *) Steub, diesem Pionier der Namensforschung, habe ich deshalb soviel Raum ge- währt, weil er m. E. das Problem zu einem guten Teil richtig gesehen und als erster unsere alten, dunklen Namen immer wieder zitiert und besprochen hat. 18
        

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