und Blisadona sprechen, im Vintschgau sah ich die Flecken Naturns, Schluderns und Schlanders, auf den Ötzthaler Fernem wurden mir die Spitzen Firmisaun und Similaun, im Eisackthale die Dörfer Villanders, Velthurns und Gufidaun, bei Innsbruck Altrans, Sistrans und Axams ge- nannt — allenthalben, wo ich hingerieth, klang jede Ecke wieder von diesen mystischen Namen. Mehr und mehr wollt' es mir bedünken, dass sie etwas Wichtiges zu bedeuten hätten, ich glaubte in ihnen die letzten Worte längst untergegangener Völker zu hören, und es war mir, als müsste sich dem, der ihre Sprache verstehen lernte, ein grosses Geheim- nis aus uralter Geschichte erschliessen». Schon auf der dritten Seite seines Buches gibt STEUB seine Ansicht kund, indem er schreibt: « . . . . darnach bleibt denn zur Lösung der Aufgabe kein anderes Mit- tel übrig, als die Sprache der. Räter — ein Material, von welchem aller- dings auf den ersten Anblick wenig zu erwarten scheint, das aber doch reichhaltig genug ist, um den völligen Ausschlag zu geben. Es haben sich nämlich von der Sprache der Räter zwar keine schriftlichen Denkmäler, auch keine anderweitigen Überlieferungen erhalten, dafür aber bietet sich in Tirol und den östlichen Theiien der Schweiz ein Corpus von Namen der Orte, der Berge und Flüsse dar, von Namen, die, seltsam und fremdartig wie sie klingen, bisher für unerklärlich gegolten und die es, sofern man auf Deutung ihres Sinnes ausgeht, wohl auch dem grössten Theile nach sind, die sich aber in ihren Formen, wenn diese richtig erkannt werden, so spezifisch und conclusiv erweisen, dass über das Idiom des Volkes, von dem sie ausgegangen, kein Zweifel übrig bleiben kann. Die Sprache aber, aus welcher sich diese Formen erklären, ist die etruskische». Mit Schwung und viel Überzeugungskraft vertritt STEUB kompro- misslos die Ansicht: Die Sprache der Räter sei das Etruskische gewesen. Den Umkreis, in dem L. STEUB rätische, also etruskische Namen findet, umschreibt er auf Seite 143 wie folgt: «Im Süden gegen Italien zu ist eine solche nicht fest zu stellen. Dort war zu einer Zeit alles Land bis tief hinunter den Extruskern unterworfen und es haben sich die Namen ihrer Städte in ziemlicher Anzahl erhalten. Ob auch jene ihrer Dörfer, ist nicht unsere Aufgabe zu untersuchen. Wir ziehen daher vorläufig die westliche Gränze aus dem oberen Wallis über das Berner Oberland nach Unterwaiden, dann gegen die rätische Mark bei Schännis zu und von da auf die Gebirge des Säntis, Kamor und Gäbris in Appenzell. . In früheren Zeiten zogen sich die Gewässer des Bodensees herein bis zu der Stelle, wo jetzt die III in den Rhein fliesst, daher auch alle Namen in der Niederung des Rheinthaies von dort abwärts neueren, deutschen Ursprunges sind, während an den Höhen hin bis Bregenz die rätischen sich leicht zu erkennen geben (Röthis, Gözis, Ems, Lorenna). Lauter deutsche Namen zeigt die Thalsohle des Bregenzerwaldes und des Lech- thales; dagegen sind die Gebirge, welche sie südlich in halbmondförmi- ger Kette umschliessen, voll rätischer Dörfer, Alpen und Bäche. Von Tauern bei Reuti, durch das ganze wenig bewohnte Gebirge, das Tirol von Bayern -scheidet, bis gegen Kufstein sind ein Drittel der Namen rätisch. Im Innthale werden sie von Schwaz, auf den südlichen Höhen vom Zillerfluss an abwärts, sehr selten. Itters und Brixen im Brixenthal und Lofers an der Saale sind indessen sichere Punkte welche die 
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