wurde er diesmal als zu wenig religiös betrachtet, aber als die Anhänger des Bischofs Gelegenheit hatten, ihn däher kennenzulernen, änderten sie allmählich ihre Meinung, und 1848 befürworteten sie seine Wahl zum Rektor (inzwischen hatte er sein Heimatland am Frankfurter Par- lament vertreten). Im Jahre 1850 wurde die katholische Kantonsschule mit der evangelischen vereinigt, und da die Protestanten an der ver- einigten Anstalt die Mehrheit bildeten, amtete Kaiser weiterhin als Vize-Rektor. In Chur unterrichtete Peter Kaiser Geschichte, alte Spra- chen, Deutsch sowie die Seminarfächer; auch hier betrachtete er die Förderung der Lehramtskandidaten als seine besondere Aufgabe, und er trat für den Plan ein, an der vereinigten Kantonsschule eine auto- nome Seminarabteilung mit eigener Übungsschule zu gründen, was 1852 geschah. In Anerkennung seiner grossen Verdienste um das bünd- nerische Schulwesen verlieh ihm 1856 der Kanton Graubünden das Bürgerrecht. Als er 1864 in Chur starb, amtete er noch als Vize-Rektor der Bündner Kantonsschule. Peter Kaiser war ein bedeutender «Pestalozzianer», und als solcher übte er einen Einfluss auf das bündnerische Schulwesen aus. Obzwar er nur 16 Monate bei Pestalozzi beschäftigt war, war diese Zeit eine ein- flussreiche auf Kaisers eigenes Leben. Auch wenn er in Herten seinen Respekt für den greisen Menschen Pestalozzi einigermassen verloren hatte, bewahrte er zeitlebens Hochachtung und Dankbarkeit gegenüber Pestalozzi als Erzieherpersönlichkeit und für dessen pädagogische Grundsätze. Schon 1819 (also bevor er zu Pestalozzi gegangen war) schrieb er an Fellenberg: «Pestalozzis Idee ist es, die mir mein Dasein und die Bestimmung desselben klar und deutlich gemacht hat. Pesta- lozzi hat mich mir selbst gegeben. Ihm bin ich mein Leben schuldig». Kaiser verfasste einen umfangreichen Aufsatz über Pestalozzis «Univer- salmethode» für den Sprachunterricht, der im bündnerischen Staats- archiv enthalten ist. Dr. Christian Roedel schreibt, dass bei Kaisers pädagogischen Gedanken (wie sie z. B. in seinen Reden und Schriften vorkommen) «nicht selten Pestalozzis Ansehauungs- und Ausdrucks- weise so deutlich durchschimmert, dass direkter Einfluss zu vermuten ist». Gleich Pestalozzi sieht Peter Kaiser das Endziel aller Erziehung im Religiösen. In diesem Punkte nimmt man aber den Einfluss einer zwei- ten Pädagogenpersönlichkeit wahr, die für Kaiser auch eine führende Gestalt war, nämlich Bischof Johann Michael Sailer (bzw. dessen Werk 140
        

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