II. Um dem gestellten Probleme etwas näher zu kommen, ist es nötig, sich ganz allgemein nach den alten Rätern und dem ehemals grossen Volke der Kelten umzusehen. Die Fragen: wer die Räter eigentlich waren, woher sie kamen und wann sie in die Alpen zogen, nach deren Verwandtschaft mit anderen Völkern, welches ihre Sprache und ihre Kultur war, sind schon vielmal gestellt worden. Früher, das ist etwa bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, betrachtete man die Räter — oder «Räthier», wie man sie damals noch allgemein nannte — als Abkömm- linge der durch die Gallier ( = Kelten) aus der Poebene vertriebenen Etrusker und zwar stützte man sich dabei vor allem auf die alten römi- schen Schriftsteller PLINIUS, JUSTIN und LIVIUS. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bestritten dann die Historiker NIEBUHR und nach ihm Otfried MÜLLER die Annahme der Kolonisierung der Alpen durch die Etrusker, indem sie behaupteten: Rätien sei die Urheimat der Etrus- ker; diese seien dann aus den Alpen in die italische Halbinsel hinab- gestiegen und hätten die Poebene und Etrurien kolonisiert. Jede dieser Hypothesen liess, wie wir sehen, den engen Zusammenhang der Räter mit den Etruskern unbestritten, nur die Lage der Urheimat der Räter war Gegenstand der Auseinandersetzung. Dann aber stellte ZEUS in sei- nem Werke «Die Deutschen und die Nachbarstämme» jeden Zusammen- hang der Räter mit den Etruskern in Abrede und erklärte die Räter ein- fach als keltischen Volksstamm. Der Historiker DIEFENBACH nahm für Rätien eine gemischte Bevölkerung von Kelten und Etruskern an. Weitere Geschichtsforscher äusserten sich zu jener Zeit zu dem in- teressanten Problem, so C. A. ROSCHMANN in seiner Geschichte von Tirol, Richard LEPSIUS in «über die tyrrhenischen Pelasger in Etru- rien», dann Freiherr von HORMAYR, MANNERT u. a. m. In diesen hin- und herwogenden Meinungsstreit griff dann Dr. Lud- wig STEUB mit seiner Publikation «Über die Urbewohner Rätiens und ihren Zusammenhang mit den Etruskern» (München 1843) ein. STEUB war von diesem Problem geradezu fasziniert, wie das aus seinen einleitenden Worten hervorgeht: «Als ich vergangenes Jahr die Sommerzeit in den rhätischen Alpen ver- lebte, zogen mich mehr als je zuvor jene seltsamen, schön und wunder- lich klingenden Namen an, die den Wanderer an der Landstrasse beglei- ten und bis in die abgelegensten Thäler und auf die wildesten Höhen mit ihm gehen. Zu Bludenz im Vorarlberg hörte ich von den Alpen Tilisuna 16
        

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