einen Lehrerüberschuss (man sprach von einer «Überproduktion» an Lehrern). Der Rechenschaftsbericht der Fürstlichen Regierung für 1930 stellt zum Beispiel fest (S. 60): «Zwei unserer Junglehrer wurden zur aushilfsweisen Anstellung nach Vorarlberg berufen». Vermerke in den Gedenkbüchern der einzelnen Schulen sowie die Lehrerbiographien in HH. Pfarrer Buchers «Schulchronik Triesenberg»5) geben den Eindruck, dass ein ziemlicher Prozentsatz der liechtensteinischen Lehrerschaft mindestens ein bis zwei Jahre im österreichischen oder schweizerischen Schuldienst verbrachte, ehe sie die erste Stelle im Fürstentum antraten. Es ist interessant, dass einzelne Lehrer auch lange vor dem jetzigen Zollvertrag Stellen in der Schweiz bekamen.0) Die meisten dieser Leh- rer, sowohl die für die Realschule als auch die für die Volksschule qua- lifizierten, dienten an öffentlichen Anstalten des betreffenden Staates, für eine ganze Reihe von neugebackenen Reallehrern aber war in den letzten Jahren das private Institut Dr. Pfister in Oberägeri/ZG ein beliebter Platz. In einigen Fällen waren diese Lehrer länger im ausländischen Dienst, bevor sie sich in der Heimat niederlassen konnten. Lehrer Georg Kindle (1881 — 1955), der später Schriftführer der Schule Schaan und Landes- turninspektor war, trat 1906 nach abgelegter Lehrbefähigungsprüfung am Seminar Saulgau eine provisorische Stelle in Dornbirn an, fand aber dann, dass der Bedarf an Lehrkräften in Liechtenstein gedeckt war, wurde zum Leiter der Ganzschule in St. Gerold/Vlbg. gewählt (1906 — 1914) und musste damit die österreichische Staatsbürgerschaft erwerben; infolgedessen war er verpflichtet, in der österreichischen Wehrmacht den Weltkrieg teilweise mitzumachen, ehe. ihm eine Stelle in der Hei- mat angeboten wurde.7) Eine bewegte Karriere hatte ebenfalls Lehrer Johann Meier (1871 — 1950): Als Spätberufener legte er 1902 mit 29 Jahren in Tisis die Reife-, später in Innsbruck die Lehrbefähigungs- prüfung ab; da er in der Nähe der Heimat bleiben wollte, lehnte er eine Stelle in Tirol ab und wirkte dann an drei vorarlbergischen Orten, nämlich in Rons, Göfis und Ebnit (1902 — 1905). Die Behörden dräng- ten ihn, die österreichische Staatsbürgerschaft anzunehmen; dies wollte 5) Bucher, Engelbert, «Schulchronik Triesenberg», Kath. Pfarramt, Triesenberg, o. J. /1963/. l;) Z. B. in Kt. Freiburg und Kt. Wallis. 7) S. Nachruf im 'Liechtensteiner Volksblatt' vom 25. 1. 1955. 116
        

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