Es berührt eigenartig, dass zwei Frauen durch Werke des Friedens berühmt geworden 
sind, Bertha von Suitner und die Mutter unserer Fürstin, Gräfin Nora Wilczek. Die berühmteste Angehörige des Hauses Kinsky ist Bertha, Tochter des Feldmarschalleutnants Graf Franz Josef, die sich mit dem Schrift- steller Arthur Gundaccar Freiherr von Suttner verheiratete. Die Tochter der ruhmreichen Offiziersfamilie wurde zur Pazifistin, und ihr Buch «Die Waffen nieder !», in dreissig Sprachen übersetzt und zum Mahnruf der Zeit vor dem ersten Weltkrieg geworden, machte sie weltberühmt. Sie war Präsidentin der auf ihre Initiative entstandenen «österreichi- schen Gesellschaft der Friedensfreunde» und warb fortan durch ihr ganzes Leben für die Idee der Erhaltung des Friedens. Sie war es, die den Erfinder des Dynamits Alfred Nobel dazu bewog, einen Friedens- preis zu stiften, dessen einzige Trägerin sie im Jahre 1905 wurde. Rast- los arbeitete und kämpfte sie für ihre Ideen und starb am 21. Juni 1914. Eine Woche später fielen die Schüsse von Sarajewo, die den ersten Weltkrieg auslösten ! Könige und Präsidenten hatten sie in Audienz empfangen, sie wurde eine der international berühmtesten Frauen, aber auch bekämpft und verspottet. Schliesslich blieb es ihr erspart, die Grauen der beiden Weltkriege zu erleben. Nora Gräfin Wilczek, geborene Gräfin Kinsky (1888— 1923), wid- mete sich zuerst Sprachstudien und beherrschte neun Sprachen. Der Weltkrieg rief sie zu karitativem Wirken: Gleich zu Beginn errichtete sie in Clumec ein Spital, das sie auch leitete. Im Jahre 1916 wurde sie vom Roten Kreuze mit einer Mission in Russland betraut, inspizierte Kriegsgefangenenlager in Ostsibirien und organisierte dort die Ver- pflegung. Dann war sie in einem Spital in Astrachan in der Kranken- pflege tätig und blieb auch in der gefahrvollen Zeit des Bürgerkrieges zwischen den Kommunisten und Anhängern des Zaren auf ihrem Po- sten. Schliesslich schlug sie sich in gefahrvoller Reise über Moskau in die Heimat durch. Im Jahre 1921 wurde die Ehe zwischen ihr und Dr. Ferdinand Graf Wilczek geschlossen. Bei der Geburt ihres zweiten Kindes starb die edle Frau. 33
        

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