DER GEZOPFTE ROSSSCHWANZ 86 Ein Bauer hatte ein Ross, das am dreizehnten Hornung, dem un- glücklichsten Tag des Jahres, geboren wurde, und es war ein sonder- bares Tier mit weissem Schwanz und schwarzer Mähne. Oft wollte es zum Pflügen gar nicht taugen, denn es sträubte sich mit aller Kraft. Eines Abends wurde es wie gewöhnlich im Stall angebunden, am Morgen aber fand es der Bauer mit gezopftem Schwanz, und am näch- sten Tage war es auch so. In der dritten Nacht hörte der Bauer ein Wiehern im Stall. Schnell nahm er die Weihwasserflasche und lief hinein. Drin aber stand ein Geist. Er nahm die Flasche, bespritzte ihn und sagte den Zauberspruch zum Weihwasser: «Schrätlig, Schrätlig, uf und ab, jag mer dr Gäscht us min'ra Hab !» Von jetzt an hatte er Ruhe. DER SCHRÄTTLIG VERRÄT SICH 87 In Balzers konnte ein Kind oft nicht schlafen, und es bekam nur schwer Atem; es war vom Schrättlig geplagt. Als einmal ein Kapuziner ins Haus kam, erzählte ihm die Mutter davon. Er sagte, sie solle ein Hemdlein des Kindes auskochen, dann werde am Morgen jemand kommen und etwas ausborgen wollen, und das sei der Schrättlig. Richtig kam eine Frau und wollte einen Zapfen für ihr Kind ent- lehnen. So hatte sich der Schrättlig verraten. Stöhnend lag ein Kind im Bett, und der Vater blieb Nacht für Nacht bei ihm und wachte; er konnte ihm aber nicht helfen. Auf ein- mal fiel ihm ein, es könnte der Schrättlig in der Arbeit sein. Er nahm ein Messer und schlug und stach damit ein paarmal durch die Luft. Am anderen Tag kam eine Nachbarin und wollte eine Salbe haben, denn in der Nacht sei ihr in den Fuss geschnitten worden. Zwei Schwestern schliefen zusammen in einer Kammer. Jede Nacht 78
        

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