Erst am nächsten Morgen konte ihm dieser den Ring weisen. Aber da lohte schon der Holzstoss oben in Vaduz. Das ist die Sage vom Triesner Reiter. Er ist dem schuldlosen Mäd- chen bald im Tode gefolgt. Seitdem sieht man ihn jede Nacht, wie er auf der alten Strasse von Schaan nach Feldkirch sprengt. Er reitet, vom Gewissen gehetzt, über die hohe Iiibrücke. Sein Mantel weht in der schwarzen Nacht, und schauerlich klingt sein Hufschlag. Auch der Vogt hat keine Ruhe. Vom grossen Saale geht er allnächt- lich ans Bürgertor und will es öffnen, doch er kann es nicht, stöhnt verzweifelt und schreitet traurig durch den Schlosshof zurück. EIN ROSS WIRD VERRITTEN 66 Hexen konnten Pferde zugrunde richten, indem sie die Tiere ver- ritten. Ein Bauer aus Mauren schickte seinen Buben mit einem Ross und einem Füllen auf das Ried. Gleich beim Hause begegnete ihnen in einer ganz engen Gasse eine Frau, die als Hexe verdächtig war, und im Vor- beigehen berührte sie das Tier. Sie bemerkte dann zum Bauern, wenn er wolle, dass sein Pferd kräftig werde, dürfe er es nicht so stark treiben lassen. Am Morgen ging der Bauer aufs Ried und fand das Ross ganz er- mattet bei einer Staude stehen. Um das Gebüsch aber war ein Kreis, glattgetreten wie eine Tenne, und er merkte gleich, wie das Tier dort herumgeritten worden war. Er trieb es mit dem Füllen mit Mühe und Not in den Stall, aber es war so schwach, dass es immer zusammen- zubrechen drohte und im Stall gestützt werden musste. Nach wenigen Tagen waren beide Tiere tot. Als sie vom Wasenmeister verscharrt werden sollten, sagte dieser: «Mein guter Freund, dein Ross ist viel weiter gewesen, als du dir ein- bildest und wissen magst. Lass deinen Stall benedizieren, du kannst sonst hineinstellen, was du willst, es kommt kein Stück davon». Das Pferd aber war auf dem Rücken, wo die Hexe gesessen, brand- schwarz. 67
        

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