IV. Hexenzeit und Hexenwerk Der Hexenwahn hat in unserem Lande grausam gewütet. Mehr als dreihundert Menschen fielen ihm zum Opfer: Anzeige, Folter, Geständ- nis, Urteil und Hinrichtung folgten einander oft in wenigen Tagen. Beim Galgen zwischen Vaduz und Triesen wurden Frauen und Männer enthauptet, und ihre Leichname brannten auf dem Scheiterhaufen. Die Geständnisse waren immer von gleicher Art: Der Teufel ver- suchte sie und schloss einen Vertrag, der mit dem Blute seiner Opfer geschrieben wurde, dann gab er ein Mittel, mit dem sie Mensch und Tier verderben, Unwetter machen oder sich in eine Tiergestalt ver- wandeln konnten. Ein Stecken diente zum Ausfahren auf die Hexen- versammlungen und Tanzplätze, und dieser Stock erhielt seine Zauber- kraft aus einer Salbe, mit der er eingeschmiert wurde. Aus den Hexenakten können wir die unerhörte Grausamkeit der Richter und der Herrschaft ablesen, und sie geben auch Auskunft über die Versammlungsorte: Das Hahnenspiel und ein Platz hinter dem Kulm, Guggerboden und Lavadina, das Balznerried, der Platz unter der Linde in Vaduz und das Widum in Eschen. Das Hexenwerk bestand darin, dass Schaden gestiftet wurde. Ein Mensch starb plötzlich, ein Kind wurde krank, ein Bauer hatte kein Glück im Stall und Pferde und Kühe gingen ihm ein, auf seinem Acker wuchs keine Frucht, Kühe gaben plötzlich keine oder schlechte Milch, aus der man nicht schmalzen konnte, ein Hagelwetter brach über ein paar Äcker herein. Immer fiel der Verdacht auf eine Person, die im Ruf der Hexerei stand, oft einer Familie angehörend, in der schon Eltern oder Grosseltern verbrannt worden waren. Der Verdacht führte zur Anzeige, das Opfer wurde geholt, und kaum jemand gestand nicht auf der grausamen Folter. Weitherum galt unser Land als «Hexenland», und der Vaduzer Galgen war nicht nur ein Schreckenszeichen für unsere Vorfahren, sondern auch für die Nachbarschaft, wie es sich in einzelnen Sagen der Umgebung widerspiegelt. 59
        

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