DIE JUNGFRAU AUF GUTENBERG 51 In Gutenberg, der vielumstrittenen Feste bei Balzers, liegt ein un- endlicher Hort geborgen, den eine weisse Jungfrau hütet. Der Schatz hat sich einmal gesonnt. Es war ein grosser Haufen Schneckenschalen, die von purem Golde waren und wunderherrlich im Sonnenschein erglänzten. Wer den Schatz heben will, muss zuerst die weisse Jungfrau erlösen. Ein Bub aus Balzers war beim Beerenlesen bis zur alten Mauer hinaufgekommen. Den sprach die Jungfrau um Erlösung an. Dreimal solle er sie umschwingen, aber dabei nicht auf ihre Zöpfe schauen und kein Sterbenswörtlein sprechen. Der Knabe fasste all sein Herz und seine Kraft zusammen und schwang die weisse Jungfrau, ohne ein Aug zu verwenden und ohne den Mund zu öffnen, zweimal herum. Das drittemal aber musste er, er konnte nicht anders, einen Blick auf die schönen, goldglänzenden Zöpfe werfen. Da hatte er auf einmal zwei Schlangen in den Händen, und es schlüpften ihm die Worte heraus: «Jesses, wie kalt!«. Die Jungfrau verschwand mit Wehklagen. Wieder müsse sie hundert Jahre geisten und den Schatz hüten. DER SCHATZ BEIM ALTEN SCHLÜSSLE GRAFENBERG 52 Ein alter Kaminfeger aus Balzers sammelte einst Reiser zu Besen im Gestrüpp beim «alten Schlüssle». Als er sich müde auf eine alte Mauer niederliess, stand eine Jungfrau vor ihm und gab ihm durch Zeichen zu verstehen, ihr zu folgen. Sie führte ihn in ein grosses Ge- wölbe. Dort sollte er eine wüste Kröte von einer Mauernische herunter- schlagen. Alsdann werde er zu Reichtum kommen, und die Jungfrau wäre erlöst. Als er die Kröte berührte, wurde sie aber immer grösser, und ihre Augen funkelten und sprühten Feuer aus. Der Erschrockene sprang Hals über Kopf davon und stand wieder an der Stelle, die er zum Ausruhen ausgesucht hatte. 56
        

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