sprach ihn an: «Ich fürchte mich gar nicht vor dir, aber kannst du dich nicht vor meiner Frau und den Kindern unsichtbar machen ?» Der Geist antwortete: «Ja, das kann ich, und ich will es tun». Der Mann legte sich zur Ruhe und schlief herrlich in der ersten Nacht im eigenen Hause. Am Morgen ging er freudig zu seiner Familie und teilte ihr mit, sie könnten ohne weiteres einziehen, es sei kein Geist zu sehen. Sofort wurde übersiedelt. Die Frau und die Kinder bemerkten wirk- lich nichts, der Vater aber konnte sehen, wie sie ahnungslos neben dem Geiste vorübergingen. Einmal sass der Mann im Wirtshaus; da klopfte es plötzlich am Fenster. Der Geist war draussen und meldete, es sei Feuer in seinem Hause ausgebrochen. Geist und Mann liefen zusammen heim, und es war wirklich so. Das Feuer konnte gelöscht werden, bevor grosser Schaden entstand. Der Bauer arbeitete im Walde. Wieder stand auf einmal der Geist vor ihm und hiess ihn heimkommen, eine Kuh sei am Ersticken. Sie konnte gerade noch gerettet werden. Im Sommer musste der Familienvater einmal verreisen. Wie aus dem Boden aufgetaucht, stand der Geist vor ihm und berichtete, dass seine Frau schwer erkrankt sei. Der Geist begleitete ihn und erzählte von seinem Schicksal: «Ich ha- be zu meinen Lebzeiten dreimal armen Leuten nicht aus der Not gehol- fen, und nun musste ich warten, bis ein Mensch kam, der mich nicht fürchtete und dem ich dreimal aus der Not helfen konnte. Das ist nun geschehen. Du sollst in deinem Leben glücklich sein, und ich bin erlöst». Der Geist verschwand und kehrte nie wieder. Mann und Kinder pflegten die Kranke. Sie wurde gesund, und die Familie lebte fortan glücklich in ihrem Hause. DER FEUERROTE GEISSBOCK 43 In Triesenberg lebte einmal ein sehr reicher, geiziger Bauer. Der sagte an einem Sonntag zu seiner Frau, seinen Töchtern und dem Knechte: «Geht in die Kirche, heute bleibe ich zu Hause». Die Frau und die Töchter gingen, aber dem Knechte war die Rede 50
        

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