DER GRITSCHER POLI 24 Vor vielen, vielen Jahren war auf der Alpe Gritsch ein Senn ange- stellt mit Namen Paul; er soll ein Bündner gewesen sein. Dieser Senn stahl den Bauern während des Sommers Butter und Käse und versteckte sie in einer Höhle unterhalb der Sennhütte. Nach der Alpabfahrt be- förderte er das Diebsgut in die Heimat. Zur Strafe lässt ihn der Volksmund heute noch in dieser Höhle wohnen, Polis Loch genannt. Man sagt heute noch, wenn er dort rufe, gebe es Schneefall. Einmal wollten vier neugierige Schaaner Burschen die Höhle besu- chen, um den Poli zu sehen. Sie krochen hinein und kamen zu einem Spalt, und daraus hallte das unheimliche Geschrei des Geistes. So schnell sie konnten, flohen sie, und als sie sich draussen ansahen, stell- ten sie fest, dass ihre Köpfe ganz rot und geschwollen waren. Wie der Sücca-Keres trieb auch der Poli noch lange sein Unwesen. Auf Gritsch hörte man manchmal in der Nacht, wie er auf dem Schin- deldach von Hütte und Stall Viehketten rasselnd auf- und abzog und dabei stöhnte. Einem Senn machte er das Vieh rückig, aber der hatte immer Weih- wasser bei sich und beruhigte so die Tiere. Am meisten Angst hatte aber dieser Senn, wenn der Poli bei der Herde erschien und das Vieh, mit dem Finger auf jedes Stück zeigend, zählte. Er konnte dann gewiss sein, dass ihm bald ein Stück aus der Herde zu Tode fiel. DER POLI UND DIE KUH 25 Auch eine andere Sage berichtet vom Poli: Er hätte auf Gritsch ein schönes Leben haben können, aber eine Kuh machte es ihm- sauer. Immer wieder lief sie davon, und stundenlang musste er sie suchen. Er fluchte oft über das Tier und dachte, wie er es loswerden könnte. Da fiel ihm eine List ein: Er fällte eine Tanne, schälte sie und legte die nassen, rutschigen Rinden an einem gefährlichen Platze nieder; dann trieb er die Kuh darüber, die rutschte aus, stürzte ab und blieb unter einem Felsen tot liegen. 40
        

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