hatte. Er schaute zum Fenster hinaus und fragte um sein Begehr. Die Frau bat ihn um ein Stück Brot für ihre armen Kleinen, der Wucherer aber schlug fluchend das Fenster zu und liess die Frau mit leeren Hän- den heimgehen. Bald darauf hiess es im Dorfe, der Wucherer sei schwer krank. Es wurde so schlimm mit ihm, dass die Nachbarn den Pfarrer holten, aber als dieser kam, tat der Kranke gerade die letzten Atemzüge. Das Merkwürdige aber ist, dass genau im Augenblicke des letzten Atmens sich der Fensterrahmen mit ohrenbetäubendem Knall vom Mauerwerk löste und auf den Boden stürzte. Später hielt kein Rahmen mehr an dieser Stelle. Im Dorfe aber sagten alle, dies sei das Zeichen, dass der Teufel den herzlosen Wucherer geholt habe. DER RIESE VON GUFLINA 13 Auf Triesenberg, am Gelände von Silum, wo der Kulm den Über- gang ins Saminatal vermittelt, liegt Guflina. Dort wohnte vor vielen Jahren ein Mann von Riesengestalt. Seine Stärke erprobte er an Tannen, die er leicht entwurzelte und mit der Handfläche spielend entastete. Droben an der Silumer Höhe wölbt sich ein schroffer Felshang, und tief hinein geht eine Höhle. Da drinnen hauste ein Lindwurm von schrecklicher Grösse, beflügelt, am Haupte Hörner, mit Augen wie zwei brennende Fackeln. Der Lindwurm war der Schrecken der Bergleute, weil im Frühling und Herbst, wenn sie die Viehherden auf das Maisäss Silum und die Alpe Bargella trieben, das Ungeheuer zur Nachtzeit die Herde überfiel und grossen Schaden anrichtete. Gross war deshalb die Klage und Not der Bergbewohner. Da wagte der Riese von Guflina einen Kampf mit dem Untier. Hoch- aufgerichtet in seiner scheusslichen Gestalt stürzte es ihm wutschnau- bend entgegen. Der Riese aber stand vor der Höhle kampfbereit. Schon fühlte er einen schweren Schlag auf seinen Schultern, denn das Unge- heuer versuchte ihm die mit mächtigen Krallen versehenen Pratzen ins Fleisch zu hacken und ihn zu erwürgen. Doch ein Ruck — und der Riese packte den Lindwurm am Halse und drückte ihn mit beiden Hän- 29
        

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