Schulgedenkbuch26) unterrichtet uns, dass am Anfang des neunzehnten Jahrhunderts sogenannte «ABC-Täfelchen» für den ersten Leseunter- richt gebraucht wurden; wahrscheinlich wurde «Der Kinderfreund» im Anschluss daran verwendet. Das Büchlein besteht aus einer Sammlung von 42 frommen und teils moralisierenden Geschichtlein, unter folgen- den Hauptüberschriften : «I. Sittenlehren, in welchen vorkommen : A. Die Pflichten gegen Gott . . . , B. Die Pflichten gegen den Näch- sten . . . , C. Die Pflichten gegen sich selbst», «II. Lehren, wie man gesund und zufrieden leben könne», «III. Regeln der Höflichkeit und des Wohlstandes». Hier eine kleine Kostprobe aus den einzelnen Titeln: «Beweggründe zur Tugend», «Das fromme Kind», «Wie sich ein Kind den Fehler abgewöhnt hat», «Mässigkeit», «Der Lehrer Leberecht und seine Kinder», «Die ersten Wohlseyns und Glückes Feinde sind die bösen Leidenschaften». Auch wenn die meisten Geschichten nicht zu den aufregendsten zählen, ist das Büchlein kulturgeschichtlich interes- sant (z. B. insofern, als man sieht, was für moralische Lesekost die Kin- der damals vertragen konnten bzw. mussten, auch die Tatsache, dass die Kinder angehalten wurden, ihre Eltern zu ihrzen), ebenfalls in typo- graphischer Hinsicht: Der Text ist abwechselnd in Fraktur und Antiqua gedruckt, auch mit verschiedenen Typengrössen, und selbst mehrere handschriftliche Texte sind auch eingestreut. Im Jahre 1844 erschien das nächste Lesebuch: (2) ABC und 'Namen- büchlein nebst biblischen Erzählungen, oder erster Unterricht im Lesen und Schreiben für die Schulen des souverainen Fürstenthums Lichten- stein. Der Zweck dieses Werkchens wird nicht nur im Titel festgehalten, sondern fällt sofort auf, wenn man das Buch durchblättert. Inhalt und Aufbau deuten beim ersten Blick auf den Gebrauch für Schulanfänger. Daher geht es vom Grund auf vor, und zwar nach der oben erwähnten Lautiermethode27), die offenbar darin bestand, erst die einzelnen Laute, dann Lautgruppen durchzunehmen, bis Silben, Wörter und Sätze auf- gebaut wurden. «Lautieren» wäre also eine Abart des Buchstabierens und bildet, auch wenn dieser Ausdruck nicht mehr geläufig ist, den Grundsatz der heute praktizierten synthetischen bzw. «aufbauenden» Methode des Anfangsleseunterrichtes. Was am Büchlein einigermassen 2li) Gedenkbuch der Schule Mauren, S. 5. 27) S. Anm. 16. 220
        

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