und die bisherigen Veröffentlichungen20) zeigten bereits einige über- raschende Ergebnisse, die für die Siedlungsgeschichte manch neue Er- kenntnis erwarten lassen. Das gleiche trifft auch für Liechtenstein und Vorarlberg zu. Das Wissen um unsere Wortgeographie ist bis heute über gewissen Allge- meinheiten und grobe Abgrenzungen nicht hinausgekommen. Deswe- gen sind auch die folgenden Ausführungen durchaus als vorläufig zu betrachten; sichereren Boden werden wir erst gewinnen, wenn die Auf- nahmen auch in Vorarlberg abgeschlossen sein werden. Das Schaaner Ried, das in der Lautgeographie die deutlichste Grenz- scheide ist, bleibt es auch in der Wortgeographie. Den Unterschied im rätoromanischen Wortgut haben wir bereits auf Seite 187 f. dargestellt. Aber auch im deutschen Wortschatz ergeben sich Unterschiede, die das Unterland mehr zum Vorarlberger Rheintal, das Oberland zu Südvor- arlberg bzw. zur angrenzenden Schweiz stellen. Wenn jemand im Unterland den Boden mit dem Besen säubert, sagt er wie in Nordvorarlberg füarba, der Oberländer hingegen wüscha wie in Südvorarlberg. Das Gleiche gilt für die Bezeichnung des Eltern- schlafzimmers, das früher immer neben der Stube war; es heisst im Unterland gaada, im Oberland nebakchammer (Nebenkammer). Im Unterland verdrängt indessen die Bezeichnung nebaschtuuba (Neben- stube) das ältere Wort. Der geläufigste Ausdruck für «weinen» ist im Oberland reera, im Unterland hingegen gr'ääza; wie weit jedoch dieses Wort in seiner speziellen Bedeutung verbreitet ist, kann ich noch nicht angeben. Die Bezeichnung für den Henkel des Eimers ist im Unterland heebi, im Oberland hiana, ein Wort, das im Südalemannischen weiter verbreitet ist. Das sichelartige Gerät zum Abhacken von Ästen, vor- nehmlich beim Herstellen von Reisigwellen, heisst im Unterland gerter, im Oberland schpetzmesser wie im Walgau. Die Reisigwelle selber nennt der Unterländer büschili, der Oberländer bördile (= kleine Bürde). Das letztere Wort ist in dieser Bedeutung auch im Sarganser- ') Siehe vorallem den programmatischen Aufsatz von R. Hotzenköcherle, Zur Raumstruktur des Schweizerdeutschen, in: Zeitschrift für deutsche Mundart- forschung, XXVIII Jg. (1961), Seite 207-227. 202
        

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