hochdeutscher Sprache vorgedruckte Sätze in die Ortsmundart zu über- tragen. Das so gewonnene Lautinventar wurde mit Hilfe eines Symbol- systems auf Karten übertragen und zu einem grossen Teil (seit 1926) veröffentlicht. Wenngleich niemand die grossen Verdienste dieses Werkes be- zweifeln wird, so meldeten sich auch bald Bedenken, die sich im Laufe der Zeit immer mehr verstärkten. Zweifellos bietet der «Deutsche Sprachatlas» eine Übersicht über die mundartliche Gliederung des deutschen Sprachraums, wie sie auf andere Weise im gleichen Zeitraum nicht anders gewonnen werden konnte. Doch wie nimmt sich das Fürstentum mit seinen elf Gemeinden auf einer Karte mit einem Maßstab von 1 : 4 000 000 aus ! Es würde zu einem kleinen Punkt. Auch wenn wir Vorarlberg' dazunähmen, würde das Gebiet im Verhältnis zum Ganzen nicht viel grösser. Erst Gebiete von der Grössenordnung der Schweiz, Württembergs u. ä. fallen stärker ins Gewicht. Mit der weitergehenden Mundartforschung wurde es offenkundig, dass auch viele wichtige Lautgrenzen von dem Kartenwerk nicht er- fasst wurden. Und gerade bei der Kleinräumigkeit der alpinen Mund- arten läuft man dann Gefahr, unzulässig zu vereinfachen. Ein aller- dings noch schwerer wiegender Einwand ergab sich durch die relative Unüberprüfbarkeit der Angaben, welche von den Lehrern bzw. deren Gewährspersonen gemacht wurden. Wie sollte auch von einer Zentral- stelle aus jede lautliche Erscheinung, die nur in einer Laienumschrift gemeldet worden war, in den rechten Zusammenhang gestellt werden können ? Das ist praktisch unmöglich. Ausserdem gab es und gibt es bis heute viele Gebiete, die noch von keinem Mundartforscher be- schrieben wurden, sodass es gebietsweise an einer zuverlässigen Kon- trollinstanz mangelt. Es wäre jedoch ungerecht, von einem Material mehr verlangen zu wollen, als es an Aufschlüssen geben kann. Viel- mehr ist es ein Gebot der lokalen Mundartforschung, die Lücken aus- zufüllen und die Kenntnis zu vertiefen. Hier ist es das Verdienst der Schweizer Sprachforschung, die der Dialektgeographie zumindest im alemannischen Sprachraum neue Im- pulse gab. Die Vorzüge der dialektgeographischen Methode blieben offenkundig. Die Erkundung der Mundarten von Ort zu Ort sowie die kartographische Darstellung des Lautinventars und Wortschatzes las- sen Zusammenhänge mit der Siedlungsgeschichte und der weiteren 180
        

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