Der Frevel ist ein doppelter, einmal die Behandlung eines leblosen, aus niederem Material geformten Dinges (die Guschger Puppe ist eine aus Fetzen erzeugte «Blätzpoppa») als menschliches Wesen, dann der Frevel der Taufe aus reinem Übermut. DAS VERSUNKENE BAD (21) Eine Untergangssage mit neueren Ausschmückungen, die in den Sprüchen des Wirtes verkörpert sind. Der Grund des Unterganges ist die Entweihung der Fastenzeit, anderswo z. B. die Entweihung des Kar- freitages. Zu vergleichen ist auch die Sage vom Teufelsstein bei Bad Vogel- sang, wo auch das sittenlose Treiben der Gäste hereinspielt. DER GEIST DER KLOSTERFRAU (22) Es handelt sich hier um eine Vermischung zweier Motive: Die Klo- sterfrau muss geisten, weil sie das Ordensgelübde der Armut nicht gehalten hat, die Möglichkeit der Erlösung ist ein Schatzmotiv: Ein Schatz kann oft gehoben werden (es gelingt fast nie), wenn ein schatz- hütendes, grässliches Tier überwunden wird. Die Schlange nimmt hier mit weitaufgesperrtem Rachen drachenähnliche Gestalt an. Die Kloster- frau erscheint zuerst in Menschengestalt, dann ist sie in die Schlange verwandelt und kann in dieser schatzhütenden Gestalt erlöst werden. Das Misslingen aus Abscheu ist die vorherrschende Lösung, und das Warten für weitere hundert Jahre finden wir auch bei der Sage von der Jungfrau auf Gutenberg. Eine Einzelheit: Das Irren in der Zeit — der Bauer geht um zwei Uhr statt am Morgen zum Füttern — erklärt die Erscheinung, denn er ist ohne sein Wissen in die Geisterzeit hineingeraten. Der Schlüssel ist symbolisch für die Möglichkeit der Erlösung, das Aufsperren des Verschlossenen überhaupt. Das versteckte Geld geht in unsere Sage zum verborgenen Schatz über. 145
        

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