in den Wald hinein, vergassen aber in Angst und Eile, ihr Kleinstes mitzunehmen, das noch in der Wiege lag. Gleich kehrte der Vater um und wollte es holen, aber da blieb sein Herz fast stehen: Er sah gerade, wie ein Soldat es erstach und auf dem Säbel in die Höhe hielt. Ein Bauer fütterte auf Ritzlina sein Vieh. Die Milch stellte er immer vor dem Stall auf eine Bank, aber während er im Stalle arbeitete, sei ein Franzose gekommen und habe sie oft gestohlen. Das sei dem Bauern zu dumm geworden, als als er den Soldaten einmal sah, habe er einen Sprung auf ihn genommen, ihn getötet und in einem Hag vergraben. Dieser Hag heisst heute noch «Franzosenhag». Auch in Vaduz soll beim «Vogelherd» ein Grab eines französischen Soldaten gefunden worden sein, der von einem Bauern getötet worden war. In Triesen sollen während der ganzen Besatzungszeit sechs Jung- frauen aus Angst vor den Soldaten eingemauert gewesen sein, und man reichte ihnen das Essen durch eine geheime Öffnung in das Versteck. DIE FRANZOSEN UND DER WEIN 204 Als die Franzosen im Lande waren, lagerten sie bei Triesen am Rhein, und von dort aus kamen sie ins Oberdorf hinauf und raubten das Vieh. Besonders hatten sie es aber auf den Wein abgesehen, den sie aus allen Kellern holten und in Waschgelten füllten, so voll, dass es zu beiden Seiten herausplatschte, wenn sie die Last in ihr Lager trugen. In einem Hause hatte eine alte Frau ihre Habseligkeiten in den Keller geflüchtet und einen Holzstoss vor der Tür aufgeschichtet. Die Soldaten entdeckten aber das Geheimnis, drangen in den Keller ein, raubten ihn aus und tranken sich Räusche an. Die Bäuerin kam dazu und bat, man möge ihr wenigstens ein klei- nes Fässchen mit altem Wein lassen. Darauf schlug ein Grenadier den Spund aus dem Fass. so dass sich der Wein in den Keller ergoss, und er gröhlte dazu in gebrochenem Deutsch: «Ja, gute Frau, ist eben Krieg». 135
        

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