noch nicht Mittag», habe der Weid-Mann geantwortet, «ich will dann schon beten, wenn es läutet». Nach einer Weile sei der Weid-Mann aufgestanden und habe gesagt: «Jetzt läutet es Mittag !» Der Pfarrer habe es aber nicht glauben wollen und habe gesagt: «Ich höre nicht läuten». Da habe ihm der Weid-Mann geantwortet, er solle ihm auf den rechten Zehen stehen, dann werde er es schon hören. Der Pfarrer habe ihm gefolgt und dann ein wunder- bares Geläute vom Himmel her gehört. Darauf habe ihm der Pfarrer gesagt, er solle jetzt nur wieder heim- gehen und in die Kirche, wann er wolle und wie er wolle. Da sei der Weid-Mann wieder nach Hause gegangen und habe gelebt wie bisher. DIE DIEBSLÖCHER 178 In der Mitte des Ellbergs sind auf der Westseite zwei Felslöcher, die nach der Sage einst von Dieben bewohnt gewesen sind. Zu ihrer Ent- deckung soll folgende Begebenheit geführt haben: Eines Tages kam ein fremder Mann mit einer Angelrute nach Mäls, um in einer Güllegrube nach Fischen zu angeln. Im Winkel stellte er sich im Hof eines Bauern vor eine Jauchegrube, warf wirklich seine Angel hinein und tat so, als ob er Fische fangen wollte. Bald stand eine Menge Volk vor ihm und sah ihm lachend und kopfschüttelnd zu. Als ihn endlich ein Bäuerlein darauf aufmerksam machte, dass man in einer Mistgrube keine Fische fangen könne, erwiderte der Fremde lachend: «Was ich nicht fange, fängt mein Bruder ganz gewiss», und er fischte noch kurze Zeit ruhig weiter, um sich dann zu entfernen. Als ein Bauer, der auch mit seiner Familie zugeschaut hatte, in sein Haus zurückkehrte, musste er zu seinem Entsetzen wahrnehmen, dass ihm das Fleisch von einem ganzen Schwein aus dem Kamin gestohlen worden war. Das offenstehende Stubenfenster sagte ihm deutlich genug, dass ein Dieb dagewesen war. Auch konnte sich die Frau erinnern, dass vor einigen Tagen zwei Bettelweiber im Hause vorgesprochen hatten. Nun ging dem Bäuerlein ein Licht auf, der Dieb aber war und blieb verschwunden, und alles Suchen war vergebene Mühe. 121
        

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