DIE SELTSAMEN LICHTER 171 Ein Triesner kam eines Nachts von Lawena heim. Als er bei der Stelle war, wo heute der Steinbruch ist, erblickte er im Heilos unten viele rote Lichter, die wie Geisterhände sich auf- und abwärts bewegten. Voll Furcht rannte er nach Hause, und als zufällig in den Spiegel blickte, erschrak er, denn sein Kopf war rot und ganz geschwollen. Sogleich sprang er zum Frühmesser, der ihn mit Weihwasser bespritzte. Am Morgen war die Geschwulst verschwunden, aber was die geister- haften Lichter bedeutet hatten, das hat er nie erfahren. DIE VERSCHWUNDENEN BRÄUTE 172 In der alten Kirche unter dem Lehenbüchel kniete ein Brautpaar am Altar, um das Sakrament der Ehe zu empfangen. Während der Zeremonien stand die Braut auf, ging zur Kirche hinaus und ver- schwand. Der Bräutigam wendete sich um und sprach zum Volk: «Wenn eine ledige Person hier ist, die mich heiraten will, so komme sie herauf!» Eine Magd in Holzschuhen schritt zum Altar, und die Vermählung fand statt. Die Ehe soll sehr glücklich gewesen sein. Ober dem Lindenplatz wohnte eine Witwe mit einer schönen Toch- ter, die mit einem reichen Manne aus Balzers Bekanntschaft hatte. Die Tochter wollte jedoch von einer Vermählung nichts wissen; die Mutter aber sprach ihr zu: «Nümma, es ischt an Richa !». Am Hochzeitstage wurde lustig gefestet. Der junge Ehemann begab sich spät am Abend nach Hause und erwartete am anderen Tag seine schöne Frau. Die nahm von ihrer Mutter schmerzlich Abschied, emp- fing den Muttersegen für ein glückliches Familienleben, traf aber nie in Balzers ein, sondern verschwand für ewige Zeiten. 117
        

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