Wie aus dem Ausgrabungsbericht von BECK (1963 S. 45 f) hervor- geht, kamen bei der Grabung auch prähistorische Funde zutage. Sie gehören dem Neolithikum an. Die Funde traten aber nicht in einer Kulturschicht, sondern lediglich in einer Lößeinfüllung zum Zwecke der Planierung zu Tage, befanden sich also in sekundärer Lagerung und sind mit mittelalterlichen Funden durchmischt. Die bei den beiden Grabungen gesammelten Knochenfunde wurden vom Historischen Verein für das Fürstentum Liechtenstein freundlicher- weise dem Institut für Palaeoanatomie, Domestikationsforschung und Geschichte der Tiermedizin der Universität München zur Untersu- chung und Bestimmung übergeben. Herr Professor Dr. J. BOESSNECK übertrug mir die Auswertung. Zunächst wurde unter seiner Anleitung die infolge des fragmentären Zustandes der Knochen oft schwierige Bestimmung durchgeführt. Ich ermittelte dann die Mindestindividuen- zahlen und versuchte, soweit es möglich ist, Alter, Geschlecht, Größe und Wuchs der Tiere zu bestimmen und mit Hilfe dieser Feststellungen ein Bild dieser Tiere und ihrer Haltung zu entwerfen sowie die Be- deutung der verschiedenen Schlachttiere für die ehemaligen Bewohner der Burg Neuschellenberg aufzuzeigen. Im Literaturvergleich be- schränkte ich mich auf das heute deutschsprachige Gebiet Mittel- europas. Mit der wissenschaftlichen Bearbeitung der Funde von der Burg Neuschellenberg wurden zum ersten Mal Tierknochenfunde einer mittelalterlichen Station auf liechtensteinschem Boden ausgewertet. Schon fünfmal aber sind Stationen aus vor- bzw. frühgeschichtlicher Zeit was ihre Kulturabfälle an Tierknochen betrifft untersucht worden. Zum Teil liegen die Fundorte ganz in der Nähe. Zunächst wurde von E. KUHN (1937) «die Fauna der Wallsiedlung im Borscht (Endneo- lithikum-La Tene)» behandelt. Die Masse der Funde stammt aus dem Zeitraum Endneolithikum bis Frühbronzezeit. Nach KUHN gehören alle Knochen — es sind im ganzen 215 — zu den gewöhnlichen Haus- tieren. «Die Knochen der Schweine sind am zahlreichsten, an zweiter Stelle steht das Rind. Dann folgen Ziege und Schaf, deren Reste unge- fähr gleich stark vertreten sind Nur je einen Rest lieferten das Pferd und der Haushund». Bei dem ganz außergewöhnlich großen Unterkiefer, der dem Hund zugesprochen wird, ist die Zugehörigkeit zu einem Wolf nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen. — Die 184
        

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