Rathes und zuletzt Gerichtsschreiber in Bremgarten. Er ist in Schul- sachen bewandert und spricht und schreibt fertig französisch. Er war als Katholik beim letzen Aufstand im Aargau betheiligt, vertrieben, sein Vermögen hat man ime (?) eingezogen und er ist fern von der Heimath, von Weib und Kind und muss sich in reiferen Jahren (er ist etwas über 40 Jahre) in solcher Lage sehen. Ich bitte Sie also instän- dig bei den Herrn in Chur etwa nachzusehen, ob sich eine Stelle für ihn findet, seine Ansprüche sind nicht gross, und mir baldmöglichst Nachricht zu geben, bitter ist eine solche Lage und süss ist es zu helfen, wo man kann.1) Trotz der Mühe, die ich mir gab, konnte sich das Kloster nicht ent- scheiden, jemand zum Schulrath abzuordnen und die vielfaltigen Gründe wird Hochw. Herr Pater Dekan schreiben. Sie hätten Ihnen dies gerne gethan, da Sie bei dem Kloster viel gelten, allein die Furcht vor der Curia Curiensi überwog.2) Ich fühle wohl, dass das Leben ein Kampf ist und dass sich alles Gute durchkämpfen muss. Darum wird das durch Kampf Errungene so theuer und hängt sich unser ganzes Leben und unsere Ehre daran. Die Schule macht auch viel Kummer umso mehr, da man nicht weiss, ob man den Verräther selber am Busen nährt und an der Redlichkeit seiner Umgebung zu zweifeln anfängt. Dies ist das Härteste und Drückendste. Diese Gefühle erzeugt in mir ein Aufsatz in der Lucerner Kirchenzeitung über die Schule und ihre Leitung, den ich zwar noch nicht gelesen habe, von dem man mir aber den Inhalt erzählt hat. Ist es so, wie man mir sagt, so werde ich eine Entgegnung verfassen, welche diesem Zeitungsangriff ein Ende oder eine andere Richtung ge- ben soll. Alle, die davon Kenntniss haben, und die Stylistik kennen, wollen behaupten, der Mann, der jenen Artikel geschmiedet, sei in unserer Mitte, und wenn wir einen solchen Judas hätten, so wäre es mir das Entsetzlichste. Ich kann auch kaum denken, wie ein Mann, der solches gethan, die Stirne haben kann, unter uns zu sein und uns anzuschauen. Kurz, ich will niemanden verdächtigen, aber nur wer in der Schule war, kann aus der Schule schwätzen. Dies ist mir das Schmerzlichste und Niederschlagendste ! Verrath in der eigenen Behausung, Treulose an denen, die das Land bewachen 80
        

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