Kaisers Weg führte über die Schriften des Regensburger Bischofs Michael Sailer (f 1832). Er suchte das Gute der Aufklärung zu bewah- ren, das Schlimme abzustossen. Dabei war er bemüht, gegen die zer- setzende Aufklärung eine gemeinsame Front von Katholiken und Protestanten aufzubauen. Daher seine Verbindung mit den gläubigen Protestanten, daher gab er auch seinen Schülern protestantische Werke in die Hand.2) Die gleiche friedliebende Gesinnung hegte auch der Dichter und Literaturhistoriker Freiherr von Eichendorff (1788 — 1857), der Kantianer und Hegelianer zu seinen Freunden zählte, einen protestantischen Schwiegersohn und eine protestantische Schwieger- tochter hatte.:t) Dass diese Richtung auch Gefahren in sich barg, lag auf der Hand. Nicht vergebens erschien 1832, also im Todesjahr Sai- lers, das berühmte Werk von Johann Adam Möhler: «Symbolik oder Darstellung der dogmatischen Gegensätze der Katholiken und Prote- stanten nach deren öffentlichen Bekenntnisschriften». Es musste ja auffallen, dass gerade Schüler Sailers zum Protestantismus übertraten. Kaiser gehörte nun dieser irenischen Richtung, dieser «katholischen Aufklärung» an, welche die Unterschiede der Konfessionen zurück- drängte. In dieser Hinsicht betätigte er sich besonders, nachdem er 1842 nach Chur übersiedelt war. Deshalb erhielt er auch den Auftrag des Erziehungsrates zu dem Werke: «Graubündnerische Geschichte. Erzählt für reformierte Volksschulen» (Chur 1852).4) Die Methode ging dem Streite und doch wohl auch den eigentlichen Problemen oft aus dem Wege, aber für die damals so konfessionell überhitzte Epoche war dies begreiflich. Radikalismus und Katholizismus waren in einem gigantischen Ringen begriffen. Das führt uns auch zu Kaisers Einstellung gegenüber dem Staate. Aufklärung und Revolution erschütterten die bisherige Alleinherrschaft der Kirche, sowohl der katholischen wie der protestantischen, auf dem Gebiete der Schule und Erziehung. Auch die Bündner Protestanten bestritten die Einmischung des Staates in dieser Hinsicht.5) Die Bünd- •) Schnabel Fr., Deutsche Geschichte im 19. Jh. 4 (1937) 61 - 62. 3) Laslowski Ernst, Geschichte aus dem Glauben 1949, S. 96. J) Zuletzt über Kaisers diesbezügliche Wirksamkeit Clavuot O. im Jahres- bericht der Historisch-Antiquarischen Gesellschaft von Graubünden 92 (1962) 68 - 70. ") Pieth Fr., Bündnergeschichte 1945, S. 457. 66
        

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