sich Kaiser ganz klar von der damaligen Auffassung distanziert, tut es schwer, die erwähnten Verse nur als «Jugendsünde» abzutun. Wie wiederum Iso Müller nachweist, ist der nachmalige Hofkaplan in Vaduz, bischöflicher Archivar Fetz, als Verfasser der ersten Flugschrift anzusehen.116) Ob Rektor Kaiser, der Aargauerfreund, etwa ein Bünd- ner sei, heisst es in dieser Streitschrift. Später äussert sich Fetz in einem seiner Werke so über Kaiser: «Stimmen auch unsere Ansichten mit den seinigen hinwieder nicht überein, so erscheint im Ganzen Kaiser nicht nur als gelehrter Fachmann, er ist eben so gemüthlich und aufrichtig, wie wir den verblichenen Freund jahrelang persönlich zu kennen Gelegenheit hatten».117) Zurück zum umstrittenen Gedicht. In kirchlicher Beziehung erhoff- ten die zumeist katholischen Genossen um Kaiser, die Gründung einer grossen deutsch-katholischen Kirche durchsetzen zu können, zu deren erstem Patriarch Wessenberg ausersehen war; im Falle des Misslingens des Planes gedachten alle zum Protestantismus überzutreten.118) «Pere- ant die Theologen» schrieb die Bundesschwester Antonia Wieland in das Stammbuch des stud. theol. (!) Brugger.119) Es ist zu beachten, dass der später nachgewiesenermassen sehr tolerante Kaiser in seiner Freiburger-Zeit für die Kirchenfreiheit eintrat und in Deutschland auch eine kirchliche Einheit erhoffte, was aber mit Rom und seinen «Pfaffen» nicht möglich schien. Sein Freund Wolfgang Menzel schreibt in seinen Erinnerungen:120) «Zur Zeit des Wiener Congresses hätte man bei der m) Fetz, Johann Franz (1809— 1884), von Ems, Historiker, Hofkaplan in Vaduz, Mitarbeiter an Herders Konversationslexikon, Gründer des 1878 erstmals erscheinenden «Liechtensteiner Volksblattes», bis zu seinem Tod dessen erster Redaktor. "") Fetz, Johann Franz: Leitfaden zur Geschichte des Fürstenthums Liechten- stein — Geschichte der alten St. Florins-Kapelle und der neuen Pfarrkirche zu Vaduz. Buchs, 1882, S. VI. 118) vgl. Münch: Erinnerungen I, S. 306; Haupt Hermann: Karl Folien und die Giessener Schwarzen. Giessen, 1907, S. 125. "8) Wentzcke, S. 27. iso) Menzel, Wolfgang: Denkwürdigkeiten. Hrsg. v. seinem Sohne Konrad Menzel. Leipzig, 1877, S. 449; Der Herausgeber bemerkt zum bezüglichen Kapitel «Mein Verkehr mit Katholiken»: Dieses Kapitel enthält Manches, was ich als protestantischer Theologe nicht unterschreiben könnte. 51
        

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