oder das rührselig ernste «Vergiss mein nicht!»114) Münchs Bemer- kung, dass sie auch ihre eigene Sentimentalität parodieren konnten, wenn es sein musste, darf man getrost auch Kaiser zugutehalten. Zu den beiden Gedichten «Teutsches Weinlied», einem politisch- romantischen Trinklied, und dem Gedicht mit dem unscheinbaren Titel «Stilles Gebet» meint Münch: «Charakteristisch dagegen für den in der Jugend damals erwachten Geist sind nachstehende zwei Sachen». Zur letzten Strophe des «Stillen Gebetes» erklärt Münch: «Wir lachten über diese letzte blutgierige Strophe sehr, und man muss den behag- lichen und gutmüthigen Dichter gekannt haben, um das Humoristische und Launige der Gegensätze ganz zu fühlen». Das für Kaisers späteres Wirken wichtige Gedicht verdient es, hier kurz betrachtet zu werden. Die Schweizerische Kirchenzeitung 1842, S. 11 zitiert die letzte Strophe dieses Gedichtes mit der Einleitung: «Was für einen Geist mag wohl ein solcher Mann auf der Hochschule in Disentis erwecken; ein Mann, der schon früher in einem poetischen Produkte sich auf folgende erbärmliche Weise hören und vernehmen liess». Iso Müller bezeichnet «diese lockeren Zeilen als ausgelassene Stimmung jener bewegten Jahre des «Sturmes und Dranges», als eine «typische Äusserung stu- dentischer Entwicklungsjahre», als «getreues Echo» des religiösen Li- beralismus von Kaisers Professor von Rotteck.115) Wie Müller nach- weist, ist Kaiser der Verfasser der Streitschrift «Die katholisch-bünd- nerische Schulangelegenheit dargestellt aus den Akten des Grossen Raths und des katholischen Schulraths». Zur Berichtigung und Wider- legung der Flugschrift «geschichtliche Darstellung des kath. Kantonal- Schulwesens in Graubünden». Chur 1842. Darin heisst es auf Seite 24: «So mussten, um den religiösen Charakter des Rektors zu verdächtigen, vor 24 Jahren geschriebene, nie der Öffentlichkeit bestimmte, ohne dessen Wissen und Willen bekannt gemachte Verse, . . . mühsam zu- sammengesucht und als wäre es die dermalige Gesinnung und Ansicht ihres Verfassers dem Publikum aufgetischt werden». Nach Kaisers eige- ner Aussage entstand das Gedicht demnach im Jahre 1818. Obwohl U4) 1. c, Nr. 53, 
4. 7. 1818. 116) Müller, Iso: Jahrbuch 44 (1944), S. 70; vgl. auch in diesem Zusammenhang die Arbeit von Iso Müller in diesem Jahrbuch. 50
        

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