Anhang I Peter Kaiser an Dr. Karl Bader in Leipzig101') Freiburg den 11. April 1819 Gruss und Handschlag ! Auf deinen Brief antworte ich dir sogleich, weil sich gerade eine Gelegenheit darbietet. Nach allem, was ich über diesen Gegenstand gedacht und was ich fühle, scheint die That mir lobenswerth. Und beim Himmel, sie ist noch mehr. Du weisst selbst, wie die Teutschen am Egoismus hangend, und jedes National Leben verschmähend so tief gesunken sind. Du weisst selbst, wie es noch steht im Vaterlande. Wie es so viele giebt, die gerade den besseren Geistes-Aufschwung hemmen wollen. Bei keiner Nation aber, die wahrhaftig ist, und volksthümliches Streben ehrt und hochhält vor allem, wäre so etwas so lange geduldet, und nur angehört worden, was Kotz-(ebue) ge- kritzelt, man hätte ihn öffentlich gebrandmarkt als einen Schurken, einen Unteutschen, und so hätte er gar selbst schweigen müssen; aber nicht so wars in unserm Vaterlande. Die Halben, die Unsichern hatte er auf seine Seite gebracht, und vieles Unheil hätte er noch stiften können. Darum musste dem teutschen Volke ein Beispiel gegeben werden, was der kann, der ächt und treu es mit ihm meint. Ein Bei- spiel musste gegeben werden, wie Jesus einst, dass ein Mensch für seine Überzeugung sterben könne. Denn gerade dadurch wird die Selbstsucht, der Keim alles Bösen in der Wurzel angegriffen, und aus- gerottet. Es soll nur ferner so gehen. Mein Leben gehört mir nicht an, einem Höhern, dem Vaterlande, gebührt es, für dasselbe es hingeben, wo Verrath sein Herzbluth durchwühlt, ist heilige Pflicht. Sei unbe- sorgt Theurer, es ist alles geschehen, was die Klugheit, was der gegen- wärtige Augenblick erfordert. Dein sind wir, wovor also zittern ? Was kann man der guten Sache anhaben, was kann man uns thun ? O, sie mögen sich hüten, die Unreinen, vor dem gerechten Zorn der Edeln. ') Ehemaliges Preussisches Geheimes Staatsarchiv. Heute: Deutsches Zentral- archiv II in Merseburg, Rep. 77 XXI, Geheime Verbindungen: Karl Baders Tagebuch und Papiere. Briefe. 47
        

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