gemeinsames Interesse verband alle wieder. In diesem Sinne wirkten die weisesten und edelsten Männer». Wentzcke nennt Kaiser «einen feurigen und leidenschaftlichen Kopf». Münch spricht von «einem Menschen von trefflichem Gemüthe, von schwärmerischem Wesen und doch dabei sehr geordnetem Ver- stände, auch dem Humor nicht unzugänglich». Beide Aussagen bezie- hen sich auf die Freiburger Zeit. Kaiser hat «mehr als einmal lachend erzählt, wie auch er, der Burschenschaft angehörend, obwohl nichts weniger als republikanischen Umsturztendenzen huldigend, in Heidel- berg38), mit genauer Noth einer Untersuchung entging».311) Wenn Kaiser von einem «gemeinsamen Gefühl» und einem «ge- meinsamen Interesse» spricht, meint er damit das neu erwachende deutsche Nationalbewusstsein und das Streben nach deutscher Einheit, eine Bewegung, die vorab von der akademischen Jugend in der Bur- schenschaft gefördert und gefordert wurde.40) Die aus den Freiheits- kriegen gegen Napoleon zurückgekehrten Studenten nahmen die Frei- heit sehr ernst. Vorerst galt es aber, das Studentenleben und seine Ge- meinschaftsformen zu reformieren. Die Gründung der Jenaer Bur- schenschaft im Jahre 1815 stand im Zeichen der Idee vom gemeinsa- men Vaterlande, der Gleichheit aller Studenten und neuer sittlicher Besinnung. Alle Studenten einer Universität sollten Mitglieder einer Burschenschaft sein. Von Jena ausgehend breitete sich die Burschen- schaft an den meisten Universitäten aus (Österreich ausgenommen). «Ehre, Freiheit, Vaterland» war ihr Wahlspruch. Politik, Wissenschaft und Erziehung sollten eine Einheit bilden. Das Wartburgfest am 18. 10. 1817, das erste öffentliche Auftreten verschiedener Burschenschaften, stand im Zeichen der Erinnerung an den Beginn der Reformation und 3S) Irrtümlich Heidelberg anstatt Freiburg. 39) Nachruf auf Peter Kaiser in «Neue Bündner Zeitung» v. 25. 2. 1864. Jn) Quellen und Darstellungen zur Burschenschaft: Quellen und Darstellungen zur Geschichte der Burschenschaft und der deutschen Einheitsbewegung. Bde. 1 - 17, Heidelberg 1910 — 1940. Handbuch für den deutschen Burschenschafter. Hrsg. v. Hugo Böttger. Berlin, 1909. Schnabel, Franz: Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert. Freiburg, 2. Aufl. 1949, Bd. 2, S. 234 ff. Huber, Ernst Rudolf: Deutsche Verfassungsgeschichte seit 1789. Stuttgart, 1961, Bd. I, S. 696 ff. 21
        

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